Kaufen oder nicht : Geschenkte Lebenszeit

Ralf Schönball testet eine Festplatte.

Ralf Schönball
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Foto: promo

Gestern war es dann so weit: Wir wollten die schöne neue Computerwelt zugunsten von Kielfeder und Tintenfass aufgeben. Denn ehrlich gesagt ist so eine Feder viel schneller mit dem Taschenmesser gespitzt und behutsam in das Tintenblau getaucht als ein ausgeschalteter Computer schreibbereit. Wer es also eilig hat, der greife lieber zur Feder. Das liegt – technisch gesprochen – an den „Bootzeiten“der Computer: Wenn der Einschalter gedrückt ist, dann prüft zunächst ein rudimentäres System, das sogenannte Bios, ob auch alles angeschlossen ist: Festplatte, Grafikkarte, Prozessor, Soundkarte undsoweiter. Danach raubt einem Windows zusätzliche Lebenszeit. Das Betriebssystem hat viele Dateien und Befehlssätze auf der Festplatte verstreut, die sich alle melden müssen, bevor die erlösende Fanfare erklingt und die Desktop-Oberfläche schließlich auf dem Bildschirm erscheint.

Wer also nicht auf Microsofts neues Betriebssystem warten oder gar auf Besserung hoffen möchte, dem bleibt nur eins übrig: Er kauft die schnellste Festplatte, die es zurzeit auf dem Markt gibt. Das ist die brandneue Kingston X25-E, ein Lizenznachbau von Intels X25-E – dafür aber etwas billiger.

Das kleine Schwarze mit nur zehn Zentimetern Länge und 6,9 Zentimetern Breite wird im PC oder im Notebook wie eine gewöhnliche Festplatte angeschlossen, hebt sich dort aber durch seine inneren Werte hervor: Während in den sonst üblichen Festplatten ein Arm wie beim Plattenspieler Daten von einer rotierenden Scheibe abliest, ist bei der SSD (für Solid State Drive) alles nur noch Strom. Die Daten werden auf Speicherbausteinen abgelegt, ähnlich wie bei einer Digitalkamera oder einem USB-Stick. Deshalb kann die Kingston X25-E so leicht auch nichts erschüttern, sie steckt Stöße und Schubser einfach weg. Auch die Lebensdauer ist höher als bei herkömmlichen Festplatten. Obendrein arbeitet das kleine Gerät auch noch flüsterleise.

Ein weiterer und vielleicht der wichtigste Vorzug ist der blitzschnelle Zugriff auf Daten. Darauf wollten wir ja hinaus: Im Vergleich zur alten Technik sparen wir 20 Sekunden beim Starten des Rechners. Das überzeugt. Nur der Preis leider nicht: 445 Euro für 32 Gigabyte – das ist Wucher! Für ein Fünftel des Geldes gibt es zwanzigmal mehr Speicher auf üblichen Festplatten. Die Preise sinken aber kontinuierlich; im Internet gibt es die Kingston X25-E teils deutlich günstiger.

Uns schreckt der hohe Preis nicht. Wir werden die SSD-Festplatte trotzdem bestellen – und dann dafür mit einem handfesten Ehestreit wegen der Verschwendung von Haushaltsmitteln bezahlen.

Neun von zehn Punkten.

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