KAUFEN oder NICHT : Grelles Glück

DAS TESTURTEIL0 Punkte: Hände weg und alle Bekannten warnen, 5 Punkte: Noch mal drüber schlafen, 10 Punkte: Sofort kaufen

Moritz Honert
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Foto: Mike Wolff

Und das soll glücklich machen? Dieses kalte Weiß? Dieses an grell ausgeleuchtete türkische Cafés und U-Bahnwaggons erinnernde Neonlicht?

Skepsis macht sich breit, als die Tageslichtlampe zum ersten Mal aufflackert. Dabei sieht sie ja schick aus mit ihrer milchweißen Oberfläche. Die Bedienung? Ein Knopf. An, aus. Einfacher geht’s nicht. Da kann nicht mal der ästhetisch verwandte idiotensichere iPod mithalten. Doch dieses Licht? Gruselig.

„Hilft aber wirklich“, versichert ein befragter Depressionsdoktor. Gegen Trübsal, Müdigkeit, Antriebslosigkeit und andere mit der grauen Winterzeit einhergehende Probleme. Die entstehen, weil der Körper, wenn es draußen dauernd dunkel ist, fortwährend das Hormon Melatonin produziert, das Schlafsignale sendet. Parallel sinkt bei diesigem Wetter die Produktion von aktivierenden Hormonen wie Noradrenalin oder Serotonin. Kurz gesagt: Wenig Licht gleich wenig Energie.

Hier soll die Lampe bei täglicher Anwendung Ausgleich schaffen. Mit nur 2 x 36 Watt aber nicht weniger als 7000 Lux strahlt sie mir jetzt vom Rande des Schreibtisches aus entgegen. 7000 Lux, das entspricht ungefähr der Leistung von 7000 Kerzen. Das ist so hell, dass Kollegen, kaum haben sie mein Büro betreten, mit dem Aufschrei, sie hätten ihre Bleischürze vergessen, wieder auf den Flur hinaushechten. Dabei besteht absolut keine Gefahr, sagt der Hersteller Beurer, der die Lampe für 89,99 (UVP) verkauft. Die Bedienungsanleitung empfiehlt zwar, nach zwei Stunden abzuschalten, aber der freundliche Mann von der Entwicklungsabteilung beruhigt: „Die können sie auch als Zimmerbeleuchtung benutzen.“

Und das tue ich zunehmend gerne. Nach nur zwei Tagen habe ich mich an das kalte Licht gewöhnt, nach vier Tagen freue ich mich schon auf dem Weg ins Büro auf die Lampe. Nach ein paar weiteren Tagen muss ich dann aber doch öfter mal abschalten, weil das Licht auf Dauer zu grell für die Augen ist. Egal. Auch kurze Lichtduschen steigern das subjektive Wohlbefinden merklich.

Nur ein Frage bleibt: Warum haben die Konstrukteure nicht dafür gesorgt, dass die Lampe nicht nur glücklich, sondern gleichzeitig auch braun macht?

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