KAUFEN oder NICHT : Nur gut zur Beruhigung

Stefan Kaiser testet Chips mit Biergeschmack

Stefan Kaiser

Was für ein tolles Produkt! Bier und Chips – zwei Grundnahrungsmittel des fernsehenden Fußballfans in einer Tüte. Wie geschaffen, um die 90 Minuten der deutschen Elf gegen Portugal zu überstehen. Dafür gibt es schon mal einen Punkt. Also schnell noch ein paar Freunde einladen und zwei Tüten Bierchips auf den Tisch. Doch anders als Poldi, Schweini und Co. legen die Chips einen enttäuschenden Start hin. „Ich schmeck nichts von Bier“, raunt Daniel von der Rechtsaußenposition auf dem Sofa, der als Erster in die Tüte drängt. Und tatsächlich: Die Chips schmecken irgendwie wie ... wie Chips, nur ein bisschen fader. Trotzdem greifen alle zu – schon weil das Spiel so aufregend ist und man schließlich irgendwas tun muss. Bei einem Griechenlandspiel wäre die Nachfrage geringer.

Zeit, den zweiten Teil der Testphase einzuläuten und die Bierchips mit Bier zu kombinieren, wenn sie schon nicht selbst danach schmecken. Das Ergebnis: Mit Bier geht es besser. Die lasche Würze passt irgendwie gut zum Gerstensaft. Dafür und weil die Deutschen mittlerweile mit 2:0 führen, gibt es zwei Punkte. Mehr ist nicht drin – noch nicht.

In der Halbzeitpause ist endlich Zeit, die Chips einem eingehenderen Geruchstest zu unterziehen. Und siehe da: Wer genau hinriecht, nimmt ein leichtes Bieraroma war. Sehr verlockend ist das aber nicht. Es riecht eher abgestanden und erinnert an das Gefühl, nach einer durchfeierten Nacht am nächsten Morgen den Partyraum zu betreten.

Also schnell noch ein Bier nachkippen, um den Geschmack wieder etwas aufzufrischen. Schließlich hat die zweite Hälfte des Spiels begonnen, die jetzt wieder volle Konzentration verlangt – und Chips. Die schwache Leistung im Geruchstest ist schnell vergessen. Für jeden Angriff der Portugiesen, der auf das deutsche Tor zurollt, ist eine Handvoll Chips fällig – zur Beruhigung. Kurz vor Abpfiff wird noch immer gezittert. Doch die Chipstüten sind fast leer. Während Jogi Löw seine Nervosität in der VIP-Loge mit Zigaretten und ziellosem Herumlaufen bekämpft, gehen den Sofa-Fans die Übersprungshandlungen aus. Haareraufen, Aufspringen, Hinsetzen. Aus.

Der Schlusspfiff. Die Qualen haben ein Ende. Die Chips schon lange. Im Jubel fliegen die letzten Krümel durch das Wohnzimmer. Für den Sieg gibt es noch mal einen Extrapunkt bei der Bewertung der Chips. Sie waren nützliche Helfer – wenn auch keine köstlichen.

Tröstlich ist, dass es die Bier-Chips (1,79 Euro pro 175-Gramm-Tüte) nur zur EM geben soll. Vielleicht sollte man bis zum nächsten Großereignis, der WM 2010, noch mal am Rezept arbeiten. Oder gleich was ganz neues erfinden. Wie wäre es mit Chips mit Bratwurstgeschmack. Dann kämen auch die Stadionfans auf ihre Kosten.

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