KAUFEN oder NICHT : Warmes Wasser in drei Sekunden

Fatina Keilani testet einen Wasserkocher

Fatina Keilani

Dieses Produkt ist bei mir mit Vorschusslorbeeren gestartet – umso tiefer war sein Fall in meiner Gunst. Es hatte so praktisch geklungen: Wasserfilter und -kocher in einem, ein Knopfdruck, und nach weniger als drei Sekunden fließt heißes Wasser direkt in die Tasse. Außerdem energie- und platzsparend, da man Filterkanne und Kocher dann ja eigentlich abschaffen kann. Auf der Homepage der Firma Tefal gibt es sogar einen kleinen Videofilm über die „Weltneuheit“, den „Tefal Quick & Hot“.

Die Bedienung ist wirklich einfach. Wasser in den Tank, und dann entweder den roten Knopf drücken oder den blauen. Rot bringt heißes Wasser, blau zimmerwarmes. Die Menge kann mit einem vierstufigen Drehregler eingestellt werden – von Espressotasse bis größeres Kännchen. Mehr Knöpfe sind nicht dran.

Druck auf den roten Knopf. Das Gerät fängt auf der Stelle an, laut zu röhren und zu rattern, kurz darauf fließt heißes Wasser aus der Düse. Die Behauptung, dass das weniger als drei Sekunden dauert, stimmt. Aber für Teetrinker eignet sich das Maschinchen trotzdem nicht: Das Wasser ist einfach nicht heiß genug. Angeblich hat es 90 Grad. Der Tee jedenfalls färbte sich kaum und schmeckte nach nichts. Ich fand mich an allen weiteren Tagen dabei wieder, heißes Wasser aus dem Testgerät in meinen alten Wasserkocher laufen zu lassen, um es nochmal richtig aufzukochen – dicker Punktabzug.

Tefal hat auf seiner Internetseite sicherheitshalber ein paar Anwendungsvorschläge für das Heißwasser mitgeliefert: Instant Latte Macchiato aus dem Beutel und Fertigsuppe im Pappbecher. Genau diese Vision hatte ich auch: wie der einsame Single auf den roten Knopf drückt und sofort das trauliche Brummen der Maschine die Stille durchschneidet, und wie er sich dann über einen Becher Tütensuppe beugt. Irgendwie deprimierend.

Einmal wollte mein schniefender Mann eine heiße Zitrone. Das war der einzige Fall, wo sich das Gerät als wirklich praktisch erwies. Die muss ja nicht kochen und ging blitzschnell. Aber dafür allein würde man keine 79,95 Euro ausgeben, zumal die Filterpatronen pro Stück zusätzlich 7,99 Euro kosten und damit viel teurer sind als die des Marktführers Brita. Und obwohl sie zwei Monate halten sollen, ließ die Entkalkungsleistung schon nach vier Wochen spürbar nach. Bei Tütensuppe ist das egal, der Kalk im Wasser ist gut für die Knochen, aber für Teetrinker macht es einen Unterschied.

Tefal stellt ja eine Menge Haushaltsgeräte her, die nur Spezialisten brauchen, etwa Marmeladenkocher, Brotbackautomat, Popcornmaschine. Wer nicht gerade Großkonsument von heißen Instantprodukten ist, wird dieses Gerät nach kurzer Zeit zu den anderen Staubfängern stellen. Außerdem tropft es nach der Benutzung. Mehr als drei Punkte waren da nicht drin.

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