KAUFEN oder NICHT : Wenn die Finsternis ihren Schrecken verliert

DAS TESTURTEIL0 Punkte: Hände weg und alle Bekannten warnen, 5 Punkte: noch mal drüber schlafen, 10 Punkte: sofort kaufen

Carsten Brönstrup
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Foto: promo

Der deutsche Ingenieur und das Auto – es wäre die Welt um so vieles ärmer, gäbe es dieses Traumpaar nicht. Was hat der eine für das andere nicht alles ersonnen: das gekühlte Handschuhfach, die Einparkhilfe, den Gesäßwärmer, die oben liegende Nockenwelle, den unten röhrenden Auspuff. Neuerdings schimpft das Auto gar mit dem Fahrer, wenn der einnickt. Oder es erkennt Verkehrsschilder, sollte es der Eigner mit den Augen haben. In diese Reihe absolut unverzichtbarer Erfindungen gehört das Anti-Blend-Licht, kurz ABL. Eine Meisterleistung, findet der Hersteller – es soll den Fahrer davor bewahren, in dunkler Nacht vom Gegenverkehr geblendet zu werden. Auf dass er entspannt fahre und gesund ankomme. Und all das dank eines flachen Lämpchens, das an der Sonnenblende festgezurrt wird.

Das geht so: Erfassen die im Konstrukteurssprech „High-Speed-Sensoren“ genannten Fühler des ABL grelles Licht von vorne oder hinten, strahlt das Apparätchen ins Gesichtsfeld des Fahrers. So bleiben für ihn die Lichtverhältnisse konstant, und die Pupillen müssen sich nicht ständig vergrößern und verkleinern. Ein einleuchtendes Prinzip.

Elektrisiert von so viel technischer Finesse fummeln wir das ABL im Auto fest. Und merken: Der Fortschritt war schneller als die ABL-Macher. Denn aus dem Zigarettenanzünder, den die Funzel als Energiequelle braucht, saugt schon das Navi seinen Strom. Geblendete, aber moderne Menschen müssen sich also ständig fragen: Ist es schlimmer, sich zu verfahren oder geblendet zu werden?

Das sind keine guten Voraussetzungen für das ABL. Es funktioniert zwar, und tatsächlich ist das changierende Licht beim Fahren angenehm – die Übergänge von Helligkeit zur Finsternis sind nicht mehr so scharf. Doch ob dafür 179 Euro lohnen? Mein Fahrlehrer hat mir beigebracht, auf die rechte Straßenlinie zu starren, wenn der Gegenverkehr blendet. Das klappt gut – und ist viel billiger. Der deutsche Ingenieur muss weitertüfteln. Die nächste Marktlücke, er wird sie bestimmt finden.

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