Wirtschaft : Kaufhauskette wird restrukturiert: Die Börse setzt auf Karstadt.de

Margarita Chiari

Die Gerüchteküche rund um Karstadt will nicht verstummen. Die neue Meldung, wonach rund ein Viertel der Warenhäuser Verluste schreibt und die Schließung von 30 der 200 Filialen auf dem Programm des neuen Vorstandschefs Wolfgang Urban stehen, passen da gut ins Bild. Seit der Hauptversammlung Ende Juli, als der überraschende Vorstandswechsel von Walter Deuss zu Wolfgang Urban offiziell wurde, wird hinter verschlossenen Türen an einem Sanierungskonzept gebastelt. Dass Spekulationen da hochkochen, ist verständlich. Doch Urban wäre schlecht beraten, seinen Antritt gleich mit einem Kahlschlag zu beginnen. Noch eilt dem Manager - auch bei den Mitarbeitern - ein guter Ruf voraus. Er gilt als Fachmann und als Energiebündel, dem durchaus zugetraut wird, dem Unternehmen den dringend nötigen Schub zu verpassen, nicht nur durch Kostensenkungen. Karstadt ist kein Sanierungsfall, da hat der Vorstand Recht. Noch verfügt das Unternehmen nicht nur über große Immobilienbestände, sondern auch über erhebliche Potenziale zur Effizienz- und Umsatzsteigerung. Etwa durch straffere Organisationsstrukturen im Warenhaus- und Versandhandelsgeschäft, im Einkauf, in der Logistik, und nicht zuletzt im Internet-Geschäft. Genau hier will Urban auch ansetzen: Karstadt kommt im Internet nun nicht mehr mit dem undefinierten Namen my.world daher, sondern schlicht als karstadt.de, ein Name, mit dem 92 Prozent der Deutschen etwas anfangen können. Die Börse honorierte das prompt durch Kurssteigerungen. Am 17. Oktober will Urban sein "Zukunftskonzept" vorstellen. Wenn es ähnlich offensiv ausfällt, hat sich die lange Vorbereitungszeit gelohnt.

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