Wirtschaft : Kaufhauskette wird restrukturiert: Karstadt vor einem harten Sanierungskurs

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Der neue Vorstandschef des Karstadt-Konzerns, Wolfgang Urban, muss bei der notwendigen Restrukturierung des Warenhausunternehmens offenbar härter durchgreifen als zunächst erwartet. Laut einem internen Vorstandspapier schreiben 50 der rund 200 Warenhäuser gegenwärtig Verluste. Einzelne Schließungen seien deshalb nicht auszuschließen, verlautete aus Gewerkschaftskreisen. Dass möglicherweise sogar mehr als 30 Warenhäuser geschlossen werden sollen, wie das Magazin "Focus Money" berichtete, wies das Unternehmen unterdessen am Mittwoch entschieden zurück: "Die Meldung ist falsch und entbehrt jeder Grundlage", hieß es in einer Mitteilung, die auch an Betriebsräte und Warenhausleiter versandt wurde.

Auch in Gewerkschaftskreisen wird angezweifelt, dass Urban, der erst am Montag offiziell sein Amt als Vorstandsvorsitzender und Nachfolger von Walter Deuss angetreten hat, gleich zu Beginn eine derart drastische Maßnahme verkünden will. Über Filialschließungen seien bislang weder der Aufsichtsrat, noch der Wirtschaftsausschuss noch der Gesamtbetriebsrat informiert worden, sagte Rüdiger Wolff, Sekretär der Gewerkschaft Handel, Banken und Versicherungen (HBV) und Mitglied des Karstadt-Aufsichtsrates. "Deshalb will ich mich da an die Aussagen des Vorstandes halten." Gleichwohl sei bekannt, dass Urban in der Logistik, wo derzeit fast 5000 Mitarbeiter beschäftigt werden, beim Einkauf und in der Hauptverwaltung deutlich Kosten straffen will. "Das könnte viele Stellen kosten", sagte Wolff. Auch bei der Deutschen Angestellten Gewerkschaft (DAG) wird mit "deutlichen Umstrukturierungen" in einzelnen Filialen gerechnet. Meldungen über weitreichende Schließungen seien aber "ziemlich spekulativ", hieß es. Laut "Focus Money" stehen unter anderem die Filiale Hannover-Garbsen sowie das Hamburger Alsterhaus, an dem Peek & Cloppenburg interessiert sei, zur Disposition. In Berlin wird immer wieder über eine Schließung der Filialen Turmstraße, Hauptstraße in Schöneberg und Hertie Neukölln spekuliert.

Vorstandschef Urban will in der kommenden Woche den Aufsichtsrat über die Details seines "Zukunftskonzeptes" informieren. Einzelheiten würden die Öffentlichkeit und die Analysten dann am 17. Oktober erfahren. Die Börse erwartet ein deutliches Signal. Die enttäuschenden Ergebnisse des vergangenen Jahres, als Karstadt mit einem Gewinn von 503 Millionen Mark die eigene Prognose um gut 200 Millionen Mark verfehlte, haben nicht nur zum vorzeitigen Rücktritt des langjährigen Vorstandschefs Walter Deuss geführt, sondern auch den Aktienkurs stark belastet. Sollte Urban nun ein überzeugendes Konzept vorlegen, "könnte auch Phantasie in die Aktie kommen", sagten Analysten.

Karstadt hatte in den vergangenen Monaten seine eigenen Prognosen mehrfach nach unten revidieren müssen. Für das erste Halbjahr wies der Konzern ein negatives Ergebnis vor Steuern von 97 Millionen Mark aus, der Umsatz stieg um 5,4 Prozent auf 14,1 Milliarden Mark. Den Ergebniseinbruch bezeichnete der Konzern als branchenbedingt. Für das Gesamtjahr werde ein Plus von 15 Prozent erwartet. Karstadt-Quelle sei "kein Sanierungsfall", hieß es.

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