Kaufhauskette : Woolworth, das Ende einer Tradition

Nach dem Insolvenzantrag bangen bei Woolworth Deutschland 11.000 Mitarbeiter um ihren Arbeitsplatz. Der Verkauf in den Filialen soll aber weitergehen.

Alexander Visser
Woolworth
Woolworth-Filiale in Berlin-Tiergarten. -Foto: Heinrich

Berlin - Die Woolworth-Filiale Berlin-Tiergarten sieht nicht gerade nach aufregendem Erlebnis-Shopping aus. Das Schaufenster zur Potsdamer Straße ist durch einen Gemüsestand und eine Dönerbude zugestellt. Im Fenster zur Kurfürstenstraße schauen die Passanten auf weiße Regalrückseiten. Drinnen stapeln sich Kartons, auf der Aktionsfläche werden Osterartikel gerade durch neue 99-Cent-Artikel ersetzt: Gummihandschuhe und Glasreiniger neben Muffins und Müslischalen. Irgendwo wiederholt ein defekter Deckenlautsprecher unverständliche Werbebotschaften in Endlosschleife. Über die Nachricht des Tages wurden die Mitarbeiter noch nicht in Kenntnis gesetzt: Woolworth Deutschland ist pleite. „Wirklich?“, fragt eine Kassiererin. „Davon habe ich noch nichts gehört. Was heißt das für uns?“

Wie es für die Mitarbeiter weitergeht, weiß zurzeit keiner genau, aber es sieht nicht gut aus für die 11 000 Beschäftigten in den rund 330 Filialen in Deutschland und Österreich. „Zu den Gründen der Insolvenz und dem weiteren Verlauf des Verfahrens kann ich Ihnen leider nichts sagen“, sagte Unternehmenssprecher Kai-Nils Eicke am Dienstag auf Anfrage. Zuvor war bekannt geworden, dass Woolworth bereits am Samstag beim Frankfurter Amtsgericht Insolvenz angemeldet hatte. In den 23 Berliner Filialen arbeiten schätzungsweise knapp 800 Mitarbeiter.

Zum vorläufigen Insolvenzverwalter wurde der Frankfurter Rechtsanwalt Ottmar Hermann berufen. Der Handel solle zunächst ohne Einschränkung weitergehen, teilte er in einer Presseerklärung mit. „Wir möchten in dieser außerordentlich schwierigen Situation alles versuchen, Arbeitsplätze zu sichern und möglichst viele Standorte zu erhalten.“

Mit der globalen Marke Woolworth geht es seit langem bergab. Gegründet in den USA, zerfiel das Unternehmen bereits vor Jahren in mehrere Landesgesellschaften. Im November 2008 hatte die britische Kette Woolworths (am Ende mit „s“) Insolvenz angemeldet. Damals hieß es in der deutschen Firmenzentrale noch, man sei nach einer Konsolidierungsphase wieder auf Wachstumskurs. Ende 2007 hatte die britische Investorengruppe Argyll Partners die deutsche Kette vom Finanzinvestor Electra Private Equity übernommen. Die Immobilien wurden an den Finanzinvestor Cerberus verkauft und zurückgemietet. 2008 wurden nach Angaben Hermanns bereits 1000 Stellen gestrichen.

„Die Insolvenz von Woolworth überrascht mich nicht“, sagte Wolfgang Twardawa, Handelsexperte bei der Gesellschaft für Konsumforschung, dem Tagesspiegel. Die Kette sei zu wenig profiliert, irgendwo zwischen Discounter und Warenhaus. „Woolworth steht nur noch für Mittelmäßigkeit, und die hat es jetzt in der Wirtschaftskrise besonders schwer.“

Das sieht auch Thomas Grunewald so, Geschäftsführer des auf den Handel spezialisierten Beratungsunternehmens BBE Retail Experts. Zudem habe Woolworth offenbar seit längerem Liquiditätsprobleme. „Woolworth suchte erfolglos nach neuen Investoren, sowohl für den Handelsbereich als auch für die Immobilien“, sagte Grunewald. „In der Wirtschaftskrise ist diese Suche natürlich immer schwieriger geworden.“

Als direkte Folge der Wirtschaftskrise sieht Hubertus Pellengahr, Geschäftsführer des Hauptverbandes des Deutschen Einzelhandels, die Pleite allerdings nicht. Zwar rücke die Krise näher, der Handel sei aber noch nicht so stark betroffen wie andere Branchen. „Eine wichtige Rolle bei Woolworth spielte wohl die hohe Mietkostenbelastung, die auch andere Unternehmen unter Druck setzt“, sagte Pellengahr. In letzter Zeit hatten bereits die Ketten Wehmeyer, Sinn-Leffers und Hertie Insolvenz angemeldet, die bis vor vier Jahren zur Karstadt-Mutter Arcandor gehörten.

Für Günter Isemeyer von der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi waren die wechselnden Gesellschafter Teil des Problems von Woolworth: „Es ist immer schwierig, wenn Unternehmen nur aufgekauft werden, um eine hohe Rendite zu erzielen“, sagte Isemeyer mit Blick auf die Finanzinvestoren. „Das Risiko ist hoch, dass sich der Investor nicht nachhaltig um das Unternehmen kümmert.“

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