Wirtschaft : Kaufhof denkt an neue Warenhäuser Attraktive Standorte

in fünf bis acht Städten

Henrik Mortsiefer

Berlin - Die Kaufhof Warenhaus AG kann sich den Bau weiterer Galleria-Kaufhäuser in deutschen Innenstädten vorstellen. „Es gibt nicht mehr viele attraktive Standorte“, sagte Vorstandschef Lovro Mandac in einem Pressegespräch. „In fünf bis acht Städten könnten wir aber noch ein neues Kaufhaus bauen.“ „Neue Perspektiven“ für die Expansion ergäben sich für die zur Metro-Gruppe gehörende Warenhauskette auch dann, wenn konkurrierende Einzelhändler in Innenstadtlagen aufgeben müssten und entsprechend attraktive Immobilien frei würden. An die Übernahme von Häusern der angeschlagenen Karstadt-Quelle AG denkt Mandac aber nicht, wie er jüngst in einem Tagesspiegel-Interview sagte.

Die Lage der städtischen Einzelhändler, die im Wettbewerb mit Discountern und Shopping-Zentren „auf der grünen Wiese“ konkurrieren, beschrieb Mandac als weiterhin schwierig. „Wir stehen unter Riesendruck.“ Trotz aller Bemühungen um ihre Vitalisierung hätten die Innenstädte in den vergangenen zehn Jahren etwa 1,5 Milliarden Euro Umsatz pro Jahr verloren und einen Besucherrückgang um mehr als 25 Prozent erlitten. Seit 1995 seien in Deutschland zugleich aber 18 Millionen Quadratmeter Verkaufsfläche neu entstanden – „mit sinkender Flächenproduktivität“, wie Mandac beklagt.

Die Schuld an den ruinösen Wettbewerbsbedingungen für die rund 430000 deutschen Einzelhändler gab der Kaufhof-Chef nicht zuletzt den Städten und Kommunen. Wer die Cities mit überhöhten Parkgebühren und maßloser Ansiedlungen an peripheren Standorten unter Druck gesetzt habe, „der sollte heute nicht über zunehmend leere Einkaufsstraßen klagen“, sagte Mandac. Auch Weihnachtsmärkte gingen zu Lasten der Einzelhändler. „Das bringt Kundenfrequenz, aber keinen Umsatz.“ Nach einer aktuellen Umfrage des Handelsverbands HDE registrierten 91 Prozent der Einzelhändler in ihrer Umgebung leer stehende Ladenlokale. Die Leerstandsquote schätzen die Unternehmen auf durchschnittlich gut zehn Prozent, in den Innenstädten auf gut neun Prozent.

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