Wirtschaft : Kaufkraft der Arbeitnehmer sinkt erstmals seit 2009

Die Löhne stiegen zuletzt um 1,3 Prozent – die Preise kletterten aber noch stärker. Bei Service-Jobs waren die Verluste am höchsten.

Berlin - Schlechte Nachrichten für die deutschen Arbeitnehmer: Trotz der niedrigen Inflation droht ihnen in diesem Jahr erstmals seit dem Höhepunkt der Finanzkrise 2009 eine schwindende Kaufkraft. Dahinter steckt, dass die Preise schneller steigen als die Löhne, weil die Unternehmen vielfach Sonderzahlungen gestrichen haben. Experten sagen für 2014 aber wieder ein kräftiges Plus voraus.

Nach Abzug der Inflation hatten die Beschäftigten im dritten Quartal im Durchschnitt 0,3 Prozent weniger Geld in den Taschen als ein Jahr zuvor, wie das Statistische Bundesamt am Donnerstag mitteilte. Das war der stärkste Rückgang seit mehr als vier Jahren. Zwar stiegen die Bruttomonatsverdienste inklusive Sonderzahlungen der vollzeit-, teilzeit- und geringfügig beschäftigten Arbeitnehmer um 1,3 Prozent. Die Verbraucherpreise legten aber mit 1,6 Prozent noch stärker zu und zehrten so die Lohnzuwächse vollständig auf.

Damit zeichne sich auch für das Gesamtjahr erstmals seit 2009 „ein geringer Reallohnverlust ab“, erklärte das Statistikamt. 2012 hatte es noch ein reales Plus von 0,5 Prozent gegeben, 2011 waren es 1,2 Prozent und 2010 sogar 1,5 Prozent. Das Münchner Ifo-Institut rechnet für das kommende Jahr wieder mit einem ordentlichen Anstieg. Die Reallöhne sollen dann um 1,3 Prozent zulegen. Auch das Kieler Institut für Weltwirtschaft rechnet damit, dass die anziehende Konjunktur mehr Geld in die Portemonnaies der Beschäftigten spült. Die 2015 geplante Einführung eines gesetzlichen Mindestlohns von 8,50 Euro dürfte dann zusätzlich für eine „deutlich positive“ Lohntendenz sorgen.

Den vergleichsweise mageren Lohnzuwachs erklären die Statistiker mit deutlich geringeren Einmalzahlungen im Dienstleistungsbereich – „vor allem im Bereich der Banken und Versicherungen sowie in der öffentlichen Verwaltung“. Dadurch legten die Bruttomonatsverdienste der Beschäftigten dort im Schnitt nur um 0,7 Prozent zu. Besser sieht es in der Industrie aus: Die Beschäftigten des Produzierenden Gewerbes erhielten 2,3 Prozent mehr, wodurch sie auch real mehr im Geldbeutel hatten und ihre Kaufkraft steigerten.

Ein vollzeitbeschäftigter Arbeitnehmer verdiente in Deutschland im dritten Quartal ohne Sonderzahlungen durchschnittlich 3462 Euro brutto im Monat. Das meiste Geld erhielten Vollzeitbeschäftigte bei Banken und Versicherungen mit 4576 Euro, in der Energieversorgung mit 4510 Euro sowie im Bereich Information und Kommunikation mit 4501 Euro. Am wenigsten bekamen die Beschäftigten im Gastgewerbe mit 2012 Euro. rtr

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