Kaufkraft : Deutsche haben wieder mehr Geld

Endlich kommt der Aufschwung an: Im nächsten Jahr soll jeder Bürger durchschnittlich 700 Euro mehr in der Tasche haben. Lange wird die Freude jedoch nicht währen, denn der Wirtschafts-Boom flaut langsam ab.

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Nächstes Jahr dürften die Deutschen wieder mehr Geld für Weihnachtseinkäufe haben. -Foto: ddp

Frankfurt/MainDie Kaufkraft der Deutschen wird nach Berechnungen der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) im nächsten Jahr weiter steigen. Durchschnittlich errechne sich ein Zuwachs von 3,8 Prozent und damit deutlich mehr als die von der Europäischen Zentralbank erwarteten Inflationsrate von rund zwei Prozent. Die Deutschen hätten im Schnitt rund 700 Euro mehr zum Leben. Pro Kopf liege die Kaufkraft rein statistisch gesehen dann bei 18.734 Euro. Insgesamt stehe den Bürgern im kommenden Jahr ein Nettoeinkommen in Höhe von 1,542 Milliarden Euro zur Verfügung. In dieser Summe seien Leistungen wie Arbeitslosengeld, Kindergeld und Renten inbegriffen. Tatsächlich sei die Kaufkraft aufgrund der großen Einkommensverteilung aber sehr unterschiedlich. Vor allem in Süddeutschland nehme der Wohlstand zu, das Ost-West-Gefälle bleibe. Allerdings holten die neuen Bundesländer weiter auf.

Der Wirtschaftsaufschwung in Deutschland wird sich nach Auffassung der Deutsche Bundesbank in den kommenden beiden Jahren fortsetzen - mit allerdings stark abgebremsten Tempo. Für 2008 und 2009 werde ein Anstieg des Bruttoinlandsprodukts (BIP) um preisbereinigt je 1,9 Prozent prognostiziert nach veranschlagten 2,5 Prozent im laufenden Jahr, schreibt die Bundesbank in ihrem Monatsbericht für Dezember. Der starke Anstieg der Verbraucherpreise werde sich 2008 fortsetzen. 2009 erwartet die Bundesbank dann eine deutlich niedrigere Teuerungsrate.

Binnenwirtschaft gewinnt an Bedeutung

Kalenderbereinigt erwartet die Bundesbank Wachstumsraten von 1,6 Prozent für 2008 und 2,0 Prozent für 2009 nach 2,6 Prozent im Jahr 2007. "Die deutsche Wirtschaft befindet sich weiterhin in einem soliden Aufschwung", stellt die Bundesbank fest. Wegen der jüngsten Turbulenzen an den Finanzmärkten sei im kommenden Jahr zwar mit einer Abschwächung der weltwirtschaftlichen Dynamik zu rechnen. Diese Entwicklung treffe Deutschland aber zu einem Zeitpunkt, zu dem sich die heimische Wirtschaft "in einer recht robusten Verfassung" befinde. Vieles deute darauf hin, dass die binnenwirtschaftlichen Wachstumskräfte zusehends an Bedeutung gewinnen würden.

Für das letzte Quartal 2007 geht die Bundesbank von einer eher moderaten Expansion aus. Vor allem der Kaufkraftentzug durch die starke Teuerung könnte den privaten Konsum dämpfen. Von der Außenwirtschaft sei eher ein geringer Wachstumsbeitrag zu erwarten. "Insgesamt dürfte die deutsche Wirtschaft daher nur mit mäßigem Schwung in das neue Jahr starten", stellen die Notenbanker fest. Die private Konsumnachfrage werde sich aber dank der weiter günstigen Arbeitsmarktentwicklung beleben. Ab der zweiten Jahreshälfte könne das BIP deshalb wieder stärker zulegen.

Verbraucherpreise bleiben hoch

Erst vergangene Woche hatten zwei renommierte Forschungsinstitute ihre Wachstumsprognosen für das kommende Jahr gesenkt. Das Institut für Weltwirtschaft (IfW) in Kiel korrigierte seine Prognose für 2008 von 2,4 auf 1,9 Prozent nach unten, für 2009 werden 1,6 Prozent erwartet. Das Münchner ifo Institut rechnet nach 2,5 Prozent Wachstum im laufenden Jahr damit, dass das BIP 2008 nur noch um 1,8 Prozent zulegt, für 2009 rechnen die Konjunkturforscher mit 1,5 Prozent. Auch die Bundesregierung will ihre Wachstumsprognose für das kommende Jahr nochmals überdenken. Für 2008 geht sie bislang von 2,0 Prozent aus, nachdem die Wirtschaft im vergangenen Jahr noch ein Wachstum von 2,9 Prozent erreichte.

Nach Einschätzung der Bundesbank dürften die Verbraucherpreise im kommenden Jahr zunächst auf hohem Niveau verharren, bevor sich der Preisauftrieb im Jahr 2009 etwas abschwächt. Die Bundesbank geht von einem Anstieg des harmonisierten Verbraucherpreisindex (HVPI) von je 2,3 Prozent für 2007 und 2008 und von 1,5 Prozent 2009 aus. Die erwartete Abschwächung der Teuerung begründet die Bundesbank damit, dass die Ölpreise mittelfristig sinken dürften und auch der Anstieg der Lebensmittelpreise sich voraussichtlich abbremsen werde. Auch dürfe die Lohnpolitik die derzeit kräftige Teuerung nicht zum Anlass für kräftige Lohnerhöhungen nehmen ("Zweitrundeneffekte"). (mac/dpa)

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