Wirtschaft : Kaufkraft für die kleinen Leute

Deutsche Verbraucher profitieren vom Sturz der US-Währung – Waren aus Amerika werden billiger

Nora Luttmer/Felizitas Thom

Für die Deutschen hat der starke Euro nicht nur Nachteile. Alles, was in Dollar bezahlt wird, ist für die Verbraucher nun erschwinglicher: Reisen nach Amerika, Benzin und Heizöl oder Produkte, die aus den Staaten kommen. Zwar lassen deutliche Korrekturen derzeit noch auf sich warten – aber Konjunkturexperten sind sich sicher, dass es nicht mehr lange dauert, bis Waren „made in USA“ preiswerter werden.

Bei Urlaubsreisen haben viele Veranstalter die Preise bereits gesenkt: „Reisen nach Nordamerika sind in diesem Winter gegenüber dem Vorjahr durchschnittlich etwa zehn Prozent günstiger“, sagt Sibylle Zeuch, Sprecherin des Deutschen Reisebüroverbands. Dabei spielt nicht nur der hohe Eurokurs eine Rolle, sondern auch die gesunkene Nachfrage nach Ferien in den USA nach dem 11. September 2001. Bei FTI, einem der Marktführer, sind die Preise einer Sprecherin zufolge in diesem Winter verglichen mit dem Vorjahr sogar um 25 Prozent zurückgegangen, einzelne Hotels seien bis zu 45 Prozent reduziert. So kostete die elftägige Mietwagen-Rundreise „Let’s go west“ von FTI durch Kalifornien vor einem Jahr 499 Euro pro Person, jetzt nur noch 409 Euro. „Wenn der Dollar weiterhin abwertet, werden die Preise vermutlich im nächsten Sommer noch günstiger werden“, sagt Dertour-Sprecherin Antje Günther.

Günstig ist der Urlaub auch in Ländern, auf deren Währung der Dollar großen Einfluss hat. Neckermann zum Beispiel verlangt für Reisen nach Brasilien bis zu 18 Prozent weniger, Trips nach Barbados sind für Europäer 15 Prozent billiger.

Billiger wird für die Europäer auch der Kraftstoff – denn Öl wird zum größten Teil immer noch in Dollar gehandelt. „Durch die Währungsbewegung sind die Einkaufspreise für die Ölgesellschaften gegenüber Frühjahr 2002 um fünf Cent gesunken“, sagt Barbara Meyer-Bukow vom Mineralölwirtschaftsverband in Hamburg. Pech für den Verbraucher ist jedoch: Wegen der gestiegenen Ölpreise und der Ökosteuer sind Autofahren und Heizen trotzdem teurer geworden – denn beide Effekte haben den Preisvorteil des billigen Dollar aufgezehrt.

Schließlich dürften bei den Konsumgütern Preissenkungen nicht mehr lange auf sich warten lassen. Noch aber sind die Importeure durch Kurssicherungsgeschäfte gegen Währungsschwankungen abgesichert. „Diese Verträge sind längst abgeschlossen“, sagt Guido Zimmermann, Volkswirt bei der Deka Bank in Frankfurt (Main). „Deshalb hat der fallende Dollarkurs bislang keine Auswirkungen auf Endverbraucherpreise gehabt.“ Die Laufzeit der Verträge sei unterschiedlich – von drei Monaten bis zu einem Jahr und mehr sei alles möglich. „Nur wenn der Euro nachhaltig auf ein höheres Niveau steigt, lohnt es sich für die Importeure, über neue Verträge zu verhandeln“, sagt Zimmermann. Angesichts der Kursveränderungen dürfte dies bald der Fall sein.

Allerdings kommen viele Produkte mit sehr amerikanischem Image gar nicht mehr aus den USA – deshalb schwankt auch ihr Preis mit dem Wechselkurs nicht. Die Blue-Jeans von Levi Strauss etwa werden in Europa genäht. Ebenso werden Ketschup, Mayonnaise und Tütensuppen von Kraft Foods für den deutschen Markt aus heimischen Zutaten hergestellt. Und auch die tierischen Lieferanten der Burger von den Fastfood-Ketten McDonald’s oder Burger King haben dereinst auf europäischen Wiesen gegrast.

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