Kaufkraft : Was kostet die Welt?

In Berlin arbeitet man für einen iPod 14 Stunden – in Mumbai sind es zwanzig Tage.

Moritz Honert
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Berlin - Ein Tisch ist ein Tisch und ein Big Mac ist ein Big Mac. Und weil das nicht nur eine philosophische Spitzfindigkeit ist, sondern sich der Big Mac in Athen tatsächlich kaum von dem in Zürich unterscheidet, nutzten ihn Ökonomen seit Jahren für ihre weltweiten Kaufkraftuntersuchungen. Für die UBS-Studie „Preise und Löhne“ 2009 wurde das Bulettenbrötchen nun gegen ein Nicht-Nahrungsmittel getauscht. Stattdessen nahmen die Schweizer Banker für ihren Kaufkraftvergleich von 73 Metropolen den Musikspieler iPod. Wer muss wo wie viel arbeiten, um sich einen kaufen zu können?

Herausgekommen ist dabei das, was auch die Big-Mac-Forschung regelmäßig zutage fördert: Delhi und Mumbai sind die billigsten, Oslo, Zürich, Kopenhagen, Genf, Tokio und New York die teuersten Städte der Welt. Nur London, 2006 noch das zweitteuerste Pflaster der Erde, sucht man jetzt in der Spitzengruppe vergebens. Englands Hauptstadt fiel auf Platz 21, was allerdings weniger mit dem Musikspieler zu tun hat, sondern mehr mit dem schwachen Pfund. Die höchsten Nettolöhne und damit am Ende des Monats das meiste Geld in der Tasche haben laut Studie die Menschen in Zürich und Genf.

Bezogen auf den iPod heißt das: Während ein durchschnittlicher Arbeitnehmer in der Schweiz neun bis zehn Stunden für einen solchen MP3-Spieler arbeiten muss, rackert ein Arbeiter im indischen Mumbai gewöhnlich 20 Tage, sprich etwa 180 Stunden dafür. Der Berliner muss vergleichsweise harmlose 14 Stunden schaffen. Global gesehen liegt die deutsche Hauptstadt, was Binnenkaufkraft und Lohnniveau angeht, am Ende des oberen Drittels. Bezogen aufs Preisniveau rangiert sie hinter Frankfurt am Main und München im oberen Mittelfeld.

Ein Spitzenreiter – auch das ein Ergebnis der Studie – ist Deutschland hingegen bei den Preisen für Bahntickets. Rund 51 Euro zahlt man hierzulande für 200 Kilometer. Nur in England, wo für die gleiche Strecke 68 Euro fällig werden, ist Eisenbahnfahren noch teurer.

Und was ist mit dem Big Mac? Für den arbeitet man in Deutschland 19 Minuten – in Mumbai sind es 61. Moritz Honert

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