Kaufkraftverlust : Rentner können sich weniger leisten und arbeiten mehr

Der finanzielle Druck auf Rentner in Deutschland hat in den vergangenen Jahren deutlich zugenommen. Der Chefvolkswirt der UniCredit-Bank spricht sogar von einem "historisch einmaligen Rückgang" der Altersbezüge.

Rentner
Die Rentenentwicklung gibt Anlass zur Sorge. -Foto: ddp

BerlinDie Kaufkraft der Ruheständler wird bis Ende 2008 um insgesamt 8,5 Prozent im Vergleich zu 2003 sinken. Das geht aus einer Untersuchung der Bank UniCredit für die "Berliner Zeitung" hervor. Gleichzeitig stieg die Zahl der arbeitenden Rentner in den vergangenen Jahren um 33 Prozent, berichtete die Tageszeitung "Die Welt" unter Berufung auf Zahlen des Bundesarbeitsministeriums. Der Sozialverband Deutschland (SoVD) rechnet mit weiter steigenden Belastungen für die Rentner.

"In den vergangenen Jahrzehnten hat es keinen vergleichbaren Zeitraum gegeben, in dem die Rentenentwicklung so schlecht war", sagte der Chefvolkswirt Deutschland bei der UniCredit, Andreas Rees. Sein Institut habe die Entwicklung der realen Einkommen von Rentnern seit 1970 analysiert und dabei einen "historisch einmaligen Rückgang" der Altersbezüge seit 2003 festgestellt. Dazu habe Rees die Entwicklung der Renten der Inflationsrate gegenübergestellt.

Inflationsrate liegt über Rentensteigerung

Für dieses Jahr beträgt das Minus demnach voraussichtlich gut 1,3 Prozent. Zwar steigt die Rente leicht, die voraussichtliche Inflationsrate liege aber weit darüber. Grundlage der Berechnungen ist laut Rees der fiktive "Eckrentner", der über 45 Jahre ein Durchschnittseinkommen erzielt hat.

Für den Kaufkraftverlust sind Rees zufolge drei Faktoren verantwortlich: Seit dem Platzen der New-Economy-Spekulationsblase an den Börsen 2002 haben sich in den vergangenen Jahren die Löhne und Gehälter in Deutschland nur schwach entwickelt. Dies ist problematisch, weil die Entwicklung der Renten an die allgemeine Lohnentwicklung gekoppelt ist. Daneben ist der Anstieg der Renten von der Bundesregierung aufgrund des demografischen Wandels zusätzlich gebremst worden. "Außerdem haben die steigenden Energie- und Lebensmittelpreise die Inflation stark in die Höhe getrieben", sagte Rees.

Über 700.000 Rentner mit Mini-Jobs

Einer weiteren Untersuchung zufolge nahm die Zahl der arbeitenden Rentner mit einem Mini-Job oder einer regulären sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung in den vergangenen Jahren weiter zu. Seit 2002 stieg die Zahl der arbeitenden Menschen über 65 auf rund 817.000 Menschen, wie die "Welt" berichtet. Rund 702.000 davon haben einen nur teils sozialversicherungspflichtigen Mini-Job ausgeübt, weitere 115.000 sind einer regulären Arbeit nachgegangen. 2002 lag die Gesamtzahl der Beschäftigten über 65 bei bei insgesamt 615.000.

Der SoVD beobachtet die Entwicklung der Kaufkraft der Rentner mit Sorge. "Es ist zu befürchten, dass die Kaufkraftverluste der Rentnerinnen und Rentner bis 2010 auf mehr als zehn Prozent ansteigen", sagte SoVD-Präsident Adolf Bauer der "Berliner Zeitung". Der tatsächliche Kaufkraftverlust für viele Rentner sei sogar noch höher, als dies die Inflationsrate nahe lege. Gestiegene Gesundheitsausgaben werden nicht abgebildet. Der SoVD fordert daher, die an den Löhnen orientierte Rentenanpassung um einen Inflationsschutz zu erweitern.

Höhere Lebensmittelpreise treffen vor allem Rentner

Nach Einschätzung des Sozialverbandes VdK trifft gerade die Teuerung bei Lebensmitteln die Rentner hart. Sie machen einen relativ hohen Anteil an den Ausgaben der Rentnerhaushalte aus, sagte VdK-Sprecherin Sabine Kohls. Die Preissteigerung bei Lebensmitteln sei weitaus höher als der Anstieg der Renten um 1,1 Prozent für 2008. Derzeit betrage der Preisanstieg bei den Lebensmitteln durchschnittlich mehr als drei Prozent, sagte die Sprecherin. (smz/AFP)

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