Wirtschaft : Kaum alternativ

Der Anteil der Erneuerbaren in Japan ist gering. Experten sehen ein großes Potenzial bei der Windkraft

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Eigene Zellen. In Japan dominieren heimische Firmen den Solarmarkt. Diese polykristallinen Module stammen von Mitsubishi. Foto: AFP
Eigene Zellen. In Japan dominieren heimische Firmen den Solarmarkt. Diese polykristallinen Module stammen von Mitsubishi. Foto:...Foto: AFP

Berlin - Japan ist zwar Weltmeister der Energieeffizienz. Dennoch liegt der Pro-Kopf-Verbrauch der Japaner beim Strom deutlich über dem Durchschnitt der anderen Industrieländer. Ein gutes Drittel des Stroms wurde vor dem Erdbeben am vergangenen Freitag in Atomkraftwerken produziert. Derzeit sind elf Anlagen erdbebenbedingt nicht am Netz, die drei havarierten Atomkraftwerke werden nie wieder in Betrieb gehen. Ein gutes Viertel des Stroms kommt aus Kohle-, ein weiteres gutes Viertel aus Gaskraftwerken. Das dafür benötigte Flüssiggas muss Japan vollständig importieren, das Land ist der größte Flüssiggasimporteur der Welt. 13 Prozent des Stroms werden in ölbetriebenen Kraftwerken erzeugt.

Insgesamt liegt der Anteil erneuerbarer Energien an der Stromproduktion bei 9,6 Prozent. In Deutschland sind es 17. Den größten Anteil hat die Wasserkraft, mit der 7,5 Prozent des gesamten Stroms erzeugt werden. Der Anteil von Windkraft, Biomasse, Geothermie und Sonne liegt zusammen bei 3,4 Prozent. Die japanische Stromwirtschaft hat Produktion und Transport des Stroms noch nicht getrennt. Die Stromnetze befinden sich also weiter im Besitz der Energiekonzerne.

In Japan stehen insgesamt Windkraftanlagen mit einer Leistung von 2300 Megawatt. Einer der größten Hersteller solcher Anlagen im Land ist dem Global Wind Energy Council (GWEC) zufolge Mitsubishi. Japan produziert nach Angaben des GWEC aber nur 25 Megawatt auf See. Die Anlagen sind zudem nicht mit normalen Offshoreparks zu vergleichen. „Sie sind sehr nah an den Küsten gebaut, manchmal stehen sie in Häfen, weil die Küsten des Landes so steil abfallen“, sagt Angelika Pullen, Sprecherin des GWEC. Auch gebe es häufig Wirbelstürme an den Küsten. „Dennoch gibt es Interesse an Offshore-Projekten“, sagt Pullen.

Mika Ohbayashi von der Internationalen Erneuerbaren-Energieagentur (Irena) weist jedoch auf das große Potenzial für die Windkraft hin. Einer Studie des Energiekonzerns Tokyo Electric Power Company (Tepco) und der Universität Tokio zufolge könnte Japan 30 Prozent seines Strombedarfs mit Windkraft decken. „Die Diskussion über die Windkraft ist eine politische Diskussion, keine technische“, sagt Ohbayashi.

Die Photovoltaik ist nach Angaben des weltgrößten Solarstrom-Branchenverbands EPIA in Japan in erster Linie dezentral auf Wohnhäusern angebracht. Bis zu 15 Prozent der Anlagen sind auf öffentlichen oder auf Industriegebäuden installiert. Insgesamt, so schätzt der Verband, gibt es rund 250 000 Anlagen mit einer Leistung von mehr als 3,6 Gigawatt, weitere 1,1 Gigawatt sollten in diesem Jahr hinzukommen. Sie produzieren pro Jahr vier Terawattstunden Strom. Dominiert wird der Markt in Japan von heimischen Produzenten wie Sharp, Solarfrontier, Mitsubishi oder Kyocera. „Der Marktzugang ist für ausländische Firmen schwierig“, sagt Eicke Weber, Leiter des Fraunhofer-Instituts für Solare Energiesysteme. Nach Irena-Angaben ist der japanische Solarmarkt dennoch der drittgrößte der Welt nach Deutschland und Spanien. Seit 2009 gibt es einen Einspeisetarif für Solarstrom. Die Energiekonzerne kaufen den von Privatleuten erzeugten Strom zehn Jahre lang zum doppelten Marktpreis. Dieser Einspeisetarif soll zu einem Gesetz ähnlich dem Erneuerbare Energiengesetz in Deutschland ausgebaut werden. Derzeit liegt eine Vorlage dafür im Parlament. Im Gegensatz zu Deutschland soll es aber einen einheitlichen Einspeisetarif für alle Technologien geben. Ein ähnliches Konzept hat EU-Energiekommissar Günther Oettinger vorgelegt. Doch die Mitgliedsstaaten haben die Idee vor wenigen Wochen verworfen.

Japan will den Anteil erneuerbarer Energien ausbauen. Im Krisen-Konjunkturpaket sah Japan dafür 28,5 Milliarden Euro vor. Davon flossen 3,5 Milliarden Euro in den Bau von Solaranlagen auf öffentlichen Gebäuden und in die Forschung.

Wie stark die Schäden durch das Beben sind, ist nicht abzusehen. „Die Windparks produzieren noch“, sagt Pullen. Es gebe aber Probleme wegen beschädigter Leitungen. Trotz der vielen zerstörten Häuser geht EPIA nicht von großen Beschädigungen bei Solaranlagen aus. „Wir glauben, dass große Teile der Photovoltaikanlagen in Japan ohne Probleme funktionieren“, teilte der Verband mit.

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