Wirtschaft : Kaum Kassenschlager unter den Medienaktien

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Die Western-Parodie "Der Schuh des Manitu" schlägt alle Rekorde. Der Blödelstreifen lockte bisher fast zehn Millionen Zuschauer in die Kinos und wurde zum bisher erfolgreichsten deutschen Film. Auch der deutsche Kinomarkt steuert auf ein Rekordjahr zu. In den ersten neun Monaten 2001 stieg die Zahl der Besucher um über 14 Prozent. Doch die Medienaktien verharren weiter tief im Keller. Seit dem Boom im vergangenen Jahr haben sie massiv an Wert verloren und sich nicht mehr erholt.

Insgesamt sind knapp 40 Medienfirmen am Neuen Markt notiert. Doch die Zahl der Favoriten bei den Analysten ist gering. So werden nur Substanzwerte wie etwa Constantin, International-Media, Senator Entertainment oder Viva Media als chancenreich gesehen. Insbesondere Produktionsfirmen gelten als attraktiv, da sie orginären Inhalt produzieren. Über die weiteren Aussichten der Medienbranche gehen die Meinungen auseinander.

So sehen beispielsweise die Analysten von HSBC Trinkaus & Burkhardt aus Düsseldorf schon erste Hoffnungsschimmer. Der Tiefpunkt sei durchschritten, schreiben die HSBC-Experten in einer jüngst veröffentlichten Studie. Im kommenden Jahr würden die Sanierungsmaßnahmen vieler Unternehmen verstärkt Wirkung zeigen. Auch der Werbemarkt könne sich in 2002 wieder leicht erholen. Die Hypo-Vereinsbank ist da jedoch skeptischer. Medienexperte Peter Thilo Hasler verweist darauf, dass der Sektor weiter mit Schwierigkeiten zu kämpfen hat. Die Bank hat derzeit keinen Medientitel auf ihrer Kaufliste.

Für Unsicherheit sorgt unter anderem die weltweit flaue Konjunktur, insbesondere nach den Terroranschlägen in den USA. In Hollywood ist die Branche seitdem vorsichtig. Auch die Werbeeinnahmen der TV-Industrie sprudeln nicht mehr so wie noch im Boomjahr 2000. Die Geschäfte, insbesondere bei der Pro Sieben Sat1 Media AG oder bei der RTL Group, laufen schlecht. Die Kurse sind nach deutlichen Revisionen der Prognosen ebenfalls im Keller.

Vor diesem Hintergrund kommen auch die vielen Filmlizenzhändler in Schwierigkeiten, die auf den Verkauf an die TV-Sender angewiesen sind. Das Drama um die drohende Insolvenz der Kinowelt Medien AG zeigt, wie schwach der Markt ist und wie schnell sich selbst erfahrene Manager verkalkulieren können. Nur die Helkon Media AG konnte zuletzt einen größeren Abschluss melden: Die Münchner verkaufen ein Filmpaket - unter anderem mit dem Kinohit "Mexican" - an die ARD-Sender. Für große Fantasie hatte im vergangenen Jahr auch der Markt für Kinder- und Zeichentrickfilmprogramme gesorgt. Die mittlerweile abgestürzte Medienfirma EM.TV hatte auf Biene Maja, Heidi & Co gesetzt. Doch auch hier ist die Euphorie verflogen. Die EM.TV-Aktie ist zu einem Spekulationspapier verkommen. Auch Konkurrent RTV Family Entertainment ist in Schwierigkeiten. Unlängst musste die Münchener Firma Film-Rechte und -Forderungen an die Muttergesellschaft Ravensburger verkaufen. Nur so ließ sich die Finanzierung sicherstellen. Das Papier lag zuletzt zeitweise unter einem Euro.

Noch ganz gut gehalten hat sich dagegen die Aktie von TV-Loonland. Bisher wurden die Prognosen eingehalten. Dank einer vorsichtigen Expansion läuft das Geschäft auch international gut. Am Donnerstag teilte der Medienkonzern mit, er habe den Gewinn in den ersten neun Monaten fast verdoppelt. Der Überschuss sei binnen Jahresfrist von 4,3 auf 8,4 Millionen Euro gestiegen. Für das Gesamtjahr gehe man daher weiterhin von einem Anstieg des Überschusses von 8,3 auf 13,4 Millionen Euro aus. Im vierten Quartal werde es noch einmal zu einem Umsatzschub unter anderem durch Lizenzverkäufe in Europa kommen.

Wie sich die Wettbewerber Senator und Kinowelt im vergangenen Quartal geschlagen haben, wird sich an diesem Freitag zeigen. Beide Unternehmen legen dann ihre - vermutlich stark nach unten revidierten - Zwischenberichte vor.

Constantin Film

Nach wie vor ist die Aktie der Constantin Film AG einer der Favoriten der Börsianer. Von 27 Analysten raten nur vier zum Verkauf. Die Firma von Filmemacher Bernd Eichinger musste zuletzt aber, wie viele andere, eine Gewinnwarnung abgeben. Für 2001 werden jetzt hohe Verluste erwartet, insbesondere wegen einer Neubewertung der Filmbibliothek. Constantin will sich künftig an den strengen US-Bilanzierungsregeln orientieren. Insbesondere im dritten Quartal lief das Geschäft gut. Der durchschlagende Erfolg der Western-Parodie "Der Schuh des Manitu" wirkte positiv. Das Unternehmen sei "stark positioniert", schreibt etwa die West LB. Die Aktie konnte davon bisher aber nicht nachhaltig profitieren und pendelt um acht Euro. HSBC hat ein Kursziel von zehn Euro ausgegeben. Belastend ist unter anderem, dass Constantin aus dem Nemax 50-Index fällt. Zudem gibt es Unsicherheiten im Aktionärskreis: Leo Kirch will sich möglicherweise von seiner Beteiligung (21,2 Prozent) trennen. cbu (HB)

International-Media

Die Aktie von International-Media hat zuletzt deutlich zugelegt. Seit dem Tief bei etwa 15 Euro Ende September ist das Papier des international tätigen Filmproduzenten und -verleihers auf gut 25 Euro gestiegen. Vergangene Woche legte die Firma zwar schwache Umsatz- und Gewinnzahlen für das dritte Quartal vor. Für 2001 rechnet sie aber weiter mit einem Umsatz von 355 Millionen Euro und einem Gewinn vor Zinsen und Steuern (Ebit) von 47 Millionen Euro. Die Hoffnungen ruhen vor allem auf dem US-Film "K-19". Der Streifen mit Harrison Ford und einem U-Boot in den Hauptrollen hat ein Produktionsvolumen von rund 100 Millionen Dollar. Allerdings kamen Actionfilme in den USA nach den Anschlägen von New York nicht mehr gut an. Die Analysten der Helaba raten trotzdem weiter zu "Übergewichten". Auch Merck Finck sagt "kaufen". Nur einer von 20 Analysten rät zum Verkauf. Als positiv für IM gilt insbesondere die starke internationale Ausrichtung mit guten Produkten. cbu (HB)

Senator

Bisher kann die Berliner Senator Entertainment dem schwierigen Markt trotzen. Der am Neuen Markt notierte Filmproduzent konnte die Erwartungen der Analysten übertreffen und hat seine Prognose für 2001 noch nicht zurückgenommen. Der Umsatz soll auf rund 197 Millionen Euro steigen, der Jahresüberschuss auf 21 Millionen Euro. Unsicher ist freilich, wie die Zahlen aussehen, die Senator in der nächsten Woche für das dritte Quartal vorlegen will. Volker Bosse von der Hypo-Vereinsbank bezweifelt, dass die Berliner ihre Prognose dann noch einhalten können. Die TV-Deals stünden bislang noch komplett aus. Es sei aber entscheidend, ob es dem Unternehmen in diesem Jahr gelinge, die Filme an das Fernsehen zu verkaufen. Auch die Kinokette Cinemaxx belaste weiterhin das Jahresergebnis. Hingegen schätzt Markus Wallner vom Bankhaus HSBC Trinkaus & Burkhardt, dass Senator seine Ziele einhält. "Die Story ist der internationale Filmvertrieb. Und der ist erfolgreich." va (HB)

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