Wirtschaft : Kehraus in München

Der radikale Schnitt bringt die drittgrößte deutsche Bank in die roten Zahlen und beflügelt Übernahmephantasien / Keine Dividende

Daniel Rhee-Piening

Berlin – Die Hypo-Vereinsbank (HVB) rechnet für das vergangene Jahr mit einem hohen Verlust und zahlt erneut keine Dividende. Der Grund sind Wertberichtigungen bei den Immobilienkrediten in Höhe von 2,5 Milliarden Euro. Die Münchner Großbank macht zudem einen radikalen Schnitt und gliedert ihre problematischsten Immobilienkredite in eine eigene Abteilung aus. Die Entscheidung nährte an der Börse erneut Spekulationen, die HVB könne ein Übernahmekandidat sein. „Die Braut macht sich schön“, sagten Marktteilnehmer in Frankfurt und London. In Branchenkreisen hieß es, zudem habe möglicherweise das designierte Vorstandsmitglied Johann Berger, der die Ressorts Immobilien und Firmenkunden im April übernimmt, reinen Tisch machen wollen.

Zunächst wird die drittgrößte deutsche Bank für 2004 tiefrote Zahlen ausweisen, die Aktionäre müssen zum dritten Mal in Folge auf eine Dividende verzichten, und auch der Großaktionär Münchener Rück muss seine Gewinnerwartungen von 1,8 bis 2,0 Milliarden Euro auf 1,7 bis 1,9 Milliarden Euro nach unten schrauben.

Damit würden die wesentlichen Voraussetzungen geschaffen, um zügig ein wettbewerbsfähiges Ertragsniveau zu erreichen, sagte Bank-Chef Dieter Rampl. „Wir entlasten damit künftige Ertragsrechnungen in erheblichem Umfang.“ In Zukunft solle die Risikovorsorge wieder auf ein „normales“ Niveau von 1,3 Milliarden gesenkt werden. Die Bank gab ihre Entscheidung am Freitagmorgen in einer Ad-Hoc-Mitteilung bekannt. Die Aktie wurde vorübergehend vom Handel ausgesetzt. Nach der Wiederaufnahme stabilisierte sich das Papier nach heftigen Ausschlägen auf seinem alten Niveau von knapp 18 Euro. Das verstärkte die Übernahmespekulationen weiter.

Die Bank will die Sanierungsbestände des gesamten deutschen Immobiliengeschäfts mit einem Volumen von rund 15 Milliarden Euro in eine Restrukturierungseinheit mit dem Namen Real Estate Restructuring überführen und deshalb auf diesen Bestand Wertberichtigungen in Höhe von 2,5 Milliarden Euro vornehmen. Die Bestände von Real Estate Reststructuring sollen marktschonend abgebaut werden. Zudem wird die Hypo-Vereinsbank Rückstellungen für das Sparprogramm „Pro“ in Höhe von 250 Millionen Euro bilden. Die Gesamtsumme soll noch in der Bilanz 2004 berücksichtigt werden.

Bereits für 2003 musste die Hypo-Vereinsbank wegen Abschreibungen auf ihre Aktienbestände einen Rekordverlust von 2,6 Milliarden Euro ausweisen. Für das vergangene Jahr hatte die Bank zu Jahresbeginn 2004 ein Betriebsergebnis von 1,4 bis 1,7 Milliarden Euro in Aussicht gestellt. Zum 30. September 2004 wurde dann das Ergebnis mit 900 Millionen angegeben und die Erwartung für das Gesamtjahr nach unten revidiert. Damals hatte Finanzvorstand Wolfgang Sprißler eine Dividende in Aussicht gestellt. Berücksichtigt man die jüngste Entwicklung, könnte sich der Verlust 2004 auf rund eine Milliarde Euro belaufen.

Die Bank geht mit den Maßnahmen bis an die Grenze ihrer Leistungsfähigkeit. Die Kernkapitalquote wird zum Jahresende 2004 noch sechs Prozent betragen. Dies ist die Höhe, die die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungen als Mindestgröße vorschreibt. Das Kapital soll aber, so ein Sprecher der Bank, in den kommenden Jahren durch einbehaltene Gewinne wieder erhöht werden.

Für die Aktionäre verheißt das nichts Gutes. Sie können auch für die kommenden Jahre kaum mit üppigen Ausschüttungen rechnen. Die britische Ratingagentur Fitch stufte die HVB-Aktie herunter. Auch die Standard&Poor’s reagierte und prüft nun das derzeitige Langfristrating der Bank. Ihr wäre nach eigener Aussage eine Kapitalerhöhung lieber gewesen als die Aussicht auf künftige Gewinne.

Der Weg einer Kapitalerhöhung ist der HVB allerdings nahezu versperrt. Erst im April 2003 hatte das Institut über eine Kapitalerhöhung rund drei Milliarden Euro eingenommen. Ein Sprecher der HVB erklärte denn auch, es gebe keine Pläne für eine Kapitalerhöhung. Auch ein Verkauf von weiteren Anteilen der profitablen Tochtergesellschaft Bank Austria sei nicht geplant.

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