Wirtschaft : Kein Absturz, sondern Anpassung - Trotz sinkender Produktionszahlen machen sich die Hersteller Mut

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Das Autojahr 1999 wird nach Einschätzung von Bernd Gottschalk, Präsident des Verbandes der Deutschen Automobilindustrie (VDA), mindestens so gut wie das vergangene Rekordjahr. Erneut sollen mindestens 5,35 Mill. Pkw und Kombis von den Bändern der deutschen Automobilhersteller rollen und allein in Deutschland 3,75 Mill. Pkw verkauft werden. Allerdings rechnet Gottschalk für die letzten vier Monate mit einer gewissen Beruhigung der Lage. Statt 460 000 Einheiten wie in der Vorjahresperiode würden monatlich etwas mehr als 400 000 Autos produziert. "Das ist nicht der Beginn eines Absturzes, sondern eine sinnvolle Anpassung", sagte der VDA-Präsident. Die Autoindustrie müsse sich frühzeitig auf eine Beruhigung des Marktes einstellen.

Im Schnitt der letzten beiden Monate lagen die Bestellungen aus dem Inland um zwölf Prozent höher als im entsprechenden Vorjahreszeitraum. "Trotz einer Reihe von Unsicherheitsmomenten wie Arbeitslosigkeit, Diskussionen um die Ökosteuer und die Steuer- und Rentendiskussion insgesamt, kann man eine gewisse Widerstandsfähigkeit der Nachfrage erkennen", sagte Gottschalk drei Wochen vor der Internationalen Automobilausstellung (IAA) in Frankfurt. Die letzten Monate seien besser gelaufen als von vielen erwartet. Bei den Nutzfahrzeugen rechnet der VDA mit einem Absatzplus von vier Prozent auf 310 000 Einheiten.

Besonders erfreulich sind nach Ansicht von Gottschalk die anhaltenden Exporterfolge. Die Bestellungen aus dem Ausland haben in diesem Jahr bislang um zehn Prozent zugelegt, der Auto-Export insgesamt verbesserte sich um sieben Prozent. Die Lieferungen in die USA stiegen sogar um 23 Prozent. Dort kletterte der Marktanteil der deutschen Hersteller von 6,3 auf 7,7 Prozent. "Die deutschen Hersteller holen vielfach verlorenes Terrain wieder ein und sind insgesamt expansiv eingestellt", betont Gottschalk. Der Export sei auch für die Sicherheit der Arbeitsplätze eine entscheidende Größe. Bis Ende Juni ist die Zahl der Beschäftigten bei den deutschen Automobil-Herstellern und den Zulieferern um rund 4000 auf 725 400 gestiegen. Höhere Exporte könnten die Effekte notwendiger Rationalisierungen ausgleichen, sagt Gottschalk.

Ein dickes Lob sprach der VDA-Präsident der Bundesregierung aus für ihre Initiative zur Einführung schwefelarmer Kraftstoffe, weil sich dadurch Schwefelstoffaustoß und Verbrauch der Fahrzeuge weiter reduzieren ließe. Gleichzeitig erneuerte Gottschalk seine Kritik an der Altauto-Verordnung. Der VDA behalte sich juristische Schritte vor, um die Verordnung zu Fall zu bringen. Auch die Steuerpläne der Bundesregierung sehen die Auto-Lobbyisten sehr kritisch: Durch sie würden Autofahrer mit mehr als 20 Mrd. DM zur Kasse gebeten, so Gottschalk.

Zu den Diskussionen über eine Verlagerung des Verbandssitzes von Frankfurt nach Berlin erklärte Gottschalk, der VDA werde zwar im November eine Residenz in Berlin-Dahlem beziehen, ein Umzug in die Hauptstadt werde jedoch nicht ins Auge gefasst.

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