Wirtschaft : Kein Aufschlag für Ältere bei Gesundheit Heftige Kritik an Kassenärzte-Chef Köhler

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Berlin - Die Regierungskoalition aus Union und SPD ist dagegen, von älteren Menschen höhere Krankenkassenbeiträge zu verlangen. „Prämien entsprechend dem Krankheitsrisiko lehnen wir ab“, sagte Annette Widmann-Mauz, gesundheitspolitische Sprecherin der Unionsfraktion, dem Tagesspiegel am Montag. SPD-Generalsekretär Hubertus Heil sprach von einer „skandalösen Debatte“ und sagte, die SPD stehe dafür, dass Krankheit nicht Armut bedeute.

Andreas Köhler, der Vorsitzende der Kassenärztlichen Bundesvereinigung hatte dieser Zeitung gesagt, die bislang einkommensabhängigen Kassenbeiträge sollten sich in Zukunft wie Versicherungstarife am Krankheitsrisiko orientieren. Alte und Kranke müssten mehr zahlen als Junge und Gesunde, sonst seien die Folgen der demografischen Entwicklung nicht zu finanzieren.

„Herr Köhler lässt außer Acht, dass die Versicherten unverschuldet Risiken in sich tragen“, befand Widmann-Mauz. Das würde eine Privatisierung des Krankheitsrisikos bedeuten und lasse sich „mit unseren Vorstellungen von Solidarität nicht vereinbaren“. Der Präsident des Sozialverbandes Deutschland, Adolf Bauer, kritisierte den Vorschlag als „Schlag ins Gesicht der älteren Patienten und Versicherten, die jahrzehntelang in die gesetzliche Krankenversicherung eingezahlt haben“. Auch die Arbeitgeber lehnten gestaffelte Beiträge ab. „Wir brauchen aber eine Finanzierung, die den Belastungen durch die Alterung der Gesellschaft Rechnung trägt“, sagte Alexander Gunkel, Sozialexperte beim Bundesverband der Deutschen Arbeitgeberverbände. Dies könne am ehesten mit einem Kopfprämienmodell gelingen, bei dem jeder Versicherte pauschal 190 Euro Beitrag zahle.

Die Regierung will noch in diesem Jahr eine grundlegende Gesundheitsreform in Angriff nehmen und dabei die Beiträge stabilisieren. Das Thema dürfte auch bei der Kabinettsklausur auf Schloss Genshagen zur Sprache kommen. Unions-Expertin Widmann-Mauz zufolge wird die Reform Wohlhabende stärker belasten. „Es wird sich nicht vermeiden lassen, dass stärkere Schultern mehr zur Zukunftssicherung beitragen als schwächere“, sagte sie dieser Zeitung. Angesichts von medizinischem Fortschritt und demografischer Entwicklung werde es aber zu höheren Belastungen für alle Bürger kommen. „Es muss generell klar sein, dass die Gesundheit bei den Möglichkeiten, die wir haben, einen höheren Aufwand für alle bedeuten wird.“ Auch mit mehr Wettbewerbselementen ließe sich die Dynamik bei den Kosten nur bedingt bremsen. Nötig sei eine veränderte „Finanzierungsgrundlage“ der Krankenversicherung. brö

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