Wirtschaft : Kein Daddeln mehr in der Eckkneipe

Drogenbeauftragte will Geldspielautomaten in Gaststätten verbieten

von
Verlockend. Glücksspielautomaten werden auch in Berlin bei Bally Wulff produziert. Foto: Kitty Kleist-Heinrich
Verlockend. Glücksspielautomaten werden auch in Berlin bei Bally Wulff produziert. Foto: Kitty Kleist-Heinrich

Berlin - Wenn es nach der Drogenbeauftragten der Bundesregierung geht, soll es künftig keine Geldspielautomaten in Gaststätten mehr geben. Außerdem schlägt Mechthild Dyckmans (FDP) vor, die Auflagen für Spielhallen drastisch zu verschärfen. „Wir wissen, dass von Automaten die höchste Suchtgefahr ausgeht“, sagte Dyckmans dem Tagesspiegel. „Und in Gaststätten ist der Schutz von Spielsüchtigen und Jugendlichen am schlechtesten gewährleistet.“ Etwa 400 000 Menschen in Deutschland seien spielsüchtig, sagte Dyckmans. „Für diese Menschen brauchen wir einen besseren Schutz.“

Hintergrund ist, dass das Wirtschaftsministerium die Spielverordnung in diesem Jahr neu regeln will. Dazu macht die Drogenbeauftragte nun ihre Vorschläge. Im Wirtschaftsministerium heißt es, eine Verschärfung der Regeln für Glücksspielautomaten in Gaststätten sei geplant, Einzelheiten stünden aber noch nicht fest. Auch im Gesundheitsministerium wiegelt ein Sprecher zunächst ab: Es handele sich um ein Arbeitspapier der Drogenbeauftragten, das nicht mit der Leitung des Ministeriums abgestimmt sei.

Die Wirte jedenfalls wehren sich schon einmal vorsorglich: Es dürfe nicht sein, dass die Gastronomen und insbesondere die kleinen Kneipen an der Ecke nach dem Rauchverbot wieder die Leidtragenden seien, sagte Thomas Lengfelder Hauptgeschäftsführer vom Hotel- und Gaststättenverband Berlin. Zwar seien die wirtschaftlichen Auswirkungen zum gegenwärtigen Zeitpunkt noch nicht absehbar. „Aber die Einnahmen aus den Spielautomaten sind für viele Imbissbetriebe und Schankwirtschaften von existenzieller Bedeutung.“ Der Verband schätzt, dass bundesweit 50 000 bis 70 000 Spielautomaten in den Betrieben vorhanden sind.

Kritik kam auch von den Automatenherstellern. „In der Sache geht der Vorstoß der Drogenbeauftragten an der Realität vorbei“, sagte Bernhard Eber von Bally Wulff. Die Berliner gehören neben Gauselmann und Löwen Entertainment zu den drei großen Herstellern in Deutschland. „Geldspielgeräte in Gaststätten sind bereits streng reglementiert – im Gegensatz zu den Spielangeboten in staatlichen Spielbanken.“

Auch für die Spielhallen fordert die Drogenbeauftragte strengere Regeln: „Ich trete für ein bundesweites Sperrsystem ähnlich wie bei den Spielbanken ein“, sagte Dyckmans dem Tagesspiegel. Betroffene, die auf einer Sperrliste stehen, kommen dann gar nicht mehr in eine Spielhalle hinein. Daneben setzt sich Dyckmans auch für eine Spielerkarte ein, die dafür sorgen soll, dass ein Spieler am Tag nur eine bestimmte Höchstsumme einsetzen und nicht mehr an mehreren Automaten gleichzeitig spielen kann. „Außerdem schlage ich einen Sachkundenachweis für die Betreiber vor, damit sie suchtgefährdete Gäste erkennen und beraten können.“ Der Berliner Senat hat gerade ein Spielhallengesetz verabschiedet, dass die Ausbreitung der Spielhallen begrenzen und die Suchtprävention verbessern soll. Corinna Visser

1 Kommentar

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben