Wirtschaft : „Kein fabrikneuer Sperrmüll“ Großeinkäufer ZEG

Foto: promo
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Herr Honkomp, wie viele Fahrräder hat die ZEG 2009 eingekauft?

Etwas mehr als eine Million.

Hat sich der Fahrradboom in den Herstellerpreisen bemerkbar gemacht?

Wir können nicht erkennen, dass die Hersteller die Preise deutlich erhöht haben. Aber es werden tendenziell höherwertige Komponenten verbaut. Das rechtfertigt einen höheren Preis, den die Kunden auch zu zahlen bereit sind.

Selbst die Wirtschaftskrise hat die Branche stabil überstanden. Woran liegt das?

Wir bekommen holländische Verhältnisse. Dort wird das Fahrrad im Alltag selbstverständlich genutzt. Außerdem haben sich die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen für die mittleren und oberen Einkommen nicht wesentlich verschlechtert. Hier werden gute Fahrräder zu etwas höheren Preisen immer populärer.

Zur Freude des Fachhandels…

Es findet in der Tat eine Verschiebung zugunsten des Fachhandels statt. In Holland werden 90 Prozent der Fahrräder über den Fachhandel gekauft, bei uns sind es rund 60 Prozent. Die Kunden akzeptieren den fabrikneuen Sperrmüll nicht mehr, der in Baumärkten und bei Discountern angeboten wird. Wer sein Fahrrad selbst zusammenschrauben muss, ist überfordert. Das Produkt wird immer komplizierter.

Wie profitiert die ZEG als Großhändler des Fachhandels davon?

Wir haben unseren Umsatz 2009 schon um mehr als zehn Prozent auf knapp 400 Millionen Euro gesteigert. Dieses Niveau werden wir im laufenden Jahr mindestens halten. Wahrscheinlich werden wir wegen der Beliebtheit der Elektrofahrräder noch zulegen können.

2009 wurden in Deutschland 150 000 E-Bikes verkauft. Wie viele werden es 2010?

Wir schätzen, 200 000.

Verdrängen große Fachmärkte wie Stadler und andere kleine Fahrradeinzelhändler?

Beide kommen gut nebeneinander aus. Der große Fachhändler kann mit vielen Marken in die Tiefe gehen und vom Einstiegs- bis zum 2000-Euro-Rad alles anbieten. Der Einzelhändler spezialisiert sich und ist wichtig für die Nahversorgung.

2009 hat die ZEG die französische Veloland übernommen. Wo wachsen Sie noch?

Der deutsche Fahrradmarkt ist bei Qualität und Stückzahl der verkauften Zweiräder mit Abstand Nummer eins in Europa. Aber hier können wir nur noch qualitativ zulegen. Wir sind dabei, in Polen, Lettland, Litauen und Estland zu expandieren. Die nächsten Länder, die wir uns anschauen, sind Dänemark und Schweden.

Das Interview führte Henrik Mortsiefer

Georg Honkomp

ist Vorsitzender

der Zweirad Einkaufs- Genossenschaft (ZEG). Mit 960

Fachmärkten als Mitgliedern ist die ZEG der größte Einkaufsverbund in Europa.

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