Wirtschaft : Kein Käufer für den roten Porsche

Tewe Pannier

Dubai im Schock: Von heute auf morgen sind die Benzinpreise um ein Drittel gestiegen. Der Liter Super kostet plötzlich umgerechnet 30 Euro-Cents. Der Schock hält einige Stunden an. Dann wird wieder Gas gegeben. Denn für Autofreaks ist Dubai die ideale Stadt. Nach dem Verbrauch fragt hier niemand. Das Interesse richtet sich auf die Marke, auf Zylinderzahl, PS und Ausstattung. Aston Martin und Mercedes klingen schlicht, besser sind Angaben wie „kugelsicherer Centigon-Hummer“ oder „7er von Alpina, lange Version“. Gewonnen hat, wessen Auto der Page auf der Auffahrt parkt und nicht in der Tiefgarage. So sehen alle, wie finanzstark die Gäste des Hotels sind.

In der Auffahrt des Interconti am Creek parkt ein roter Porsche, direkt vor dem Haupteingang. Es ist das erste Haus am Creek, einem Meeresarm, der wie ein Fjord in die Wüste schneidet. Ihm verdankt Dubai den sicheren Hafen, seit Jahrhunderten seine starke Position als Handelsplatz. Es ist kurz vor zwei Uhr morgens, Abdul sitzt in der Hotelbar hoch über dem Creek, nippt an seinem Redbull und lächelt unsicher. Er ist 33 Jahre alt und fliegt als Hubschrauberpilot den ganzen Tag hin und her zwischen Abu Dhabi und den Bohrinseln im Golf. Heute ist Abdul nach der Schicht mit seinem Porsche die 150 Kilometer nach Dubai gefahren. Der Wagen ist ein Prachtexemplar und auch innen knallrot, und Abdul braucht dringend Geld.

Zum Glück hat Cindy aus Schanghai, die in der Wüste mit Eismaschinen handelt, gerade Millionen verdient und will jetzt, hier, sofort unbedingt einen Porsche kaufen. Ihr sehr knappes Kostüm ist genau im Rot des Wagens von Abdul gehalten – ein Zeichen des Himmels? Cindy bestellt Champagner, parliert mit der marokkanischen Barsängerin auf Französisch und verhandelt nebenbei mit Abdul. Der fordert 250 000 Dirham, umgerechnet gut 55 000 Euro. Cindy setzt sich ans rote Lederlenkrad, mit Abdul als Beifahrer donnert sie den Creek entlang, lässt die Reifen quietschen.

Aber sie zeigt sich unzufrieden – der zweite Gang hakt, sagte sie. Und geht wieder Champagner trinken. Abdul tankt für 20 Euro und fährt zurück nach Abu Dhabi. Kein Geschäft heute.

Der Autor (45) betreibt eine Medienfirma in Dubai und lebt abwechselnd dort und in Berlin.

ein Geschäftsmann

aus Berlin, erzählt von Arabien

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