Wirtschaft : Kein Kompromiss auf Kosten des Patienten

Maren Peters

Der Münchner Anwalt Michael Witti hat vor einem US-Gericht Sammelklage gegen Bayer eingereicht. Überraschend kommt das nicht. Schon im August letzten Jahres, unmittelbar nachdem der Pharma- und Chemiekonzern seinen Cholesterinsenker Lipobay wegen Nebenwirkungen vom Markt nehmen musste, hatte Witti diesen Schritt bekanntgegeben. Der Anwalt ist ein Profiteur der Globalisierung: Seine Ankündigung, weltweit operierende Konzerne vor US-Gerichten zu verklagen und dabei ein Vielfaches der Summe zu erstreiten, die in Deutschland möglich wäre, lässt das Telefon in seiner Kanzlei nicht stillstehen. Von einer Einigung in der US-Sammelklage hätte der Anwalt aber mehr als seine Klienten. Das hat in der Vergangenheit schon der Zwangsarbeiter-Fall gezeigt, der Witti bekannt und umstritten machte. Während jeder Zwangsarbeiter 15 000 Mark aus dem zehn-Milliarden-Topf erhielt, strich der Anwalt mehr als acht Millionen ein.

Witti hofft, dass der Konzern unter dem großen öffentlichen Druck weich wird und sich vorzeitig auf einen Vergleich einlässt. Die Wahrscheinlichkeit dafür ist groß: Bayer ist vor allem in den USA nach dem Rückzug des Cholesterinsenkers und dem zeitweiligen Produktionsstopp des Blutermedikaments Kogenate unter Druck. Die Tatsache, dass die Bayer-Aktie bald in New York gehandelt wird, macht es nicht leichter. Für den Verbraucher wäre es allerdings schlecht, wenn Bayer sich auf einen schnellen Vergleich in den USA einließe. Denn der Patient müsste die Kosten bezahlen. Über noch höhere Medikamentenpreise.

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