Wirtschaft : Kein Nachschlag für die Bewag

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Von Dieter Fockenbrock

Berlins Finanzsenator Thilo Sarrazin dürfte glänzende Augen bekommen, hätte er Einblick in die Bewertungsgutachten „seiner“ Bewag. Doch der Strom und Fernwärmeversorger ist schon seit Jahren dem Zugriff des Landes entzogen – tiefe Einblicke in interne Unterlagen sind deshalb verwehrt. Berlin hat sein Tafelsilber 1997 verkauft und 1,5 Milliarden Euro für seine Hälfte der Bewag-Aktien kassiert. Das war’s.

Jetzt soll die Bewag in dem neuen Energiekonzern Vattenfall Europe aufgehen. Gutachter mussten deshalb die wahren Werte bei der Bewag ermitteln. Sie bescheinigen dem Berliner Versorger ein Bewertungspotenzial von bis zu vier Milliarden Euro. Das gibt Raum für Spekulationen. Hätte es für das Land Berlin auch etwas mehr sein können? Es hätte nicht. Denn schon damals zahlten die Käufer mehr, als die Bewag eigentlich wert war. Das nennt man strategischen Aufpreis. Sie wollten mit Berlin unbedingt ins Geschäft kommen. Und in den vergangenen sechs Jahren ist viel geschehen: Die Bewag wurde durchrationalisiert, tausende von Arbeitsplätzen sind unter Regie der privaten Großaktionäre gestrichen worden. Nicht ohne Grund ist die Bewag heute der profitabelste Partner in der neuen Familie mit HEW, Veag und Laubag.

Das Land als Mehrheitsaktionär hätte die Radikalkur gar nicht durchgehalten – eine Wertsteigerung in diesem Umfang hätte es nicht gegeben. Trotzdem können die Schweden jetzt nicht die Muskeln spielen lassen. Denn die Altlasten – vor allem die Schulden von HEW und Veag – drücken schwer. Der Bewag-Nachfolger Vattenfall Europe hat einen schweren Start.

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