Wirtschaft : Kein Pardon für die Bauern

MARGARITA CHIARI

Die Bauern sind zornig. Und das kann ihnen niemand verdenken. Denn in der Tat hat ihnen diese neue Regierung schon einiges zugemutet: Ökosteuer, die Reformen der Agenda 2000 und nun auch noch der Wegfall weiterer Subventionen - soviel Reformen innerhalb weniger Monate hat es seit Bestehen der Bundesrepublik für die Landwirte noch nie gegeben. Und dann auch noch dieser Kanzler! Gerhard Schröder, der sonst den speziellen Belangen einzelner Lobbies durchaus sein Ohr leiht, ließ sich auf dem Bauerntag in Cottbus weder durch Buhrufe noch Beschimpfungen beirren und pfiff sogar seinen Parteifreund Manfred Stolpe zur Raison. Am Umfang des Sparpakets werde nicht gerüttelt. Deutlicher hätte der Kanzler nicht sein können: Für die Bauern kennt Gerhard Schröder kein Pardon.Diese Härte könnte dennoch Gutes bewirken. Auch die Bauern müssen sich endlich von der Illusion verabschieden, ein gehätscheltes Biotop zu sein. In den vergangenen Jahren haben sie immer wieder erleben können, daß die Einschnitte der Reformen letztlich deutlich milder ausfielen als angedroht. Das hat den Druck zur Restrukturierung nicht unbedingt erhöht. Doch daran führt kein Weg vorbei. Mit der Globalisierung der Wirtschaft sind nationale Schutzwälle nicht mehr aufrechtzuerhalten. Die Landwirte in Deutschland sind deshalb nicht zum Untergang verdammt. Der Markt ist groß, in der Nahversorgung und beim Aufbau wettbewerbsfähiger Vermarktungsstrukturen gibt es noch viele Lücken. Die Bundesregierung könnte bei der Umstrukturierung helfen. Ein klares Konzept für die Agrarpolitik hat sie bislang nicht erkennen lassen. In diesem Punkt ist der Zorn der Bauern berechtigt - aber nur in diesem.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben