Wirtschaft : Kein Rundum-Sorglos-Paket Verbraucherschützer reden über die Finanzaufsicht

Berlin - Die Banken finden die Regulierung in Deutschland übertrieben, den Verbraucherschützern hingegen geht sie noch lange nicht weit genug. „Es wird noch dauern, bis die Finanzindustrie ihre Parallelwelt verlässt und die selben Werte und Regeln einhält, die auch in der wirklichen Gesellschaft gelten“, sagte Gerd Billen, Chef des Bundesverbands der Verbraucherzentralen (VZBV), im Rahmen einer verbraucherpolitischen Tagung in Berlin. „Es mangelt in Deutschland an einer Aufsicht darüber, wie Beratung stattfindet und ob die Protokollpflicht eingehalten wird“, sagte Billen. Das von der Bundesregierung geplante Anlegerschutzgesetz habe hier noch etliche Lücken. Er rief erneut dazu auf, die Finanzaufsicht in Deutschland zu reformieren und dem Vebraucherschutz dabei einen hohen Stellenwert einzuräumen.

Michael Sell, Exekutivdirektor bei der Finanzdienstleistungsaufsicht Bafin, pflichtete Billen bei. „Wir nehmen das Thema Verbraucherschutz Ernst und werden der Marktaufsicht mehr Zeit widmen“, sagte Sell. Grundlage für die Finanzkrise sei schließlich der mangelnde Verbraucherschutz in den USA gewesen. Sell betonte aber, dass das Ziel des Verbraucherschutzes lediglich die Information des Anlegers sein könne – „kein Rundum-Sorglos-Paket“. Das Risiko muss beim Investor liegen, sagte Sell. Auch die Bewertung von Finanzprodukten sei keine öffentliche Aufgabe. Der Anleger müsse seinen dokumentierten Interessen entsprechend beraten werden, sollte aber alle Produkte kaufen können. VZBV-Finanzexperte Manfred Westphal entgegnete: „Die Verantwortung für die Versorgung mit Finanzprodukten ist zu einseitig auf den Verbraucher abgewälzt worden. mirs

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