Wirtschaft : Kein Schwung in der Beziehung

Deutsche Firmen sind in Kasachstan eher selten

Astana - Trotz eines anhaltenden Rechtsstreits mit der Bundesregierung wirbt Kasachstan für mehr deutsche Investitionen. „Wir sehen in Deutschland einen Schlüsselpartner bei der Modernisierung des Landes“, sagte der kasachische Präsident Nursultan Nasarbajew am Sonntag auf einem deutsch-kasachischen Wirtschaftsforum in der Stadt Astana. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) sagte bei ihrem ersten Besuch in dem rohstoffreichen zentralasiatischen Land zu, neue Geschäfte durch staatliche Exportbürgschaften zu fördern. Dafür müsse der kasachische Staat aber erst den Streit um umstrittene Altfälle beilegen, forderte Merkel. Auf den deutschen Steuerzahler könnten wegen der Bürgschaften für ausgefallene Geschäfte Kosten von bis zu 300 Millionen Euro zukommen.

Obwohl Kasachstan das mit Abstand wichtigste Land in Zentralasien und viertgrößter Öllieferant Deutschlands ist, stagnieren die deutsch-kasachischen Wirtschaftsbeziehungen. Im vergangenen Jahr halbierten sich die Ausfuhren in das öl- und devisenreiche Land auf 2,3 Milliarden Euro. Und der Trend hat sich 2010 fortgesetzt. Das stark von Rohstoffexporten abhängige Kasachstan erwartet nach einem schweren Einbruch des Bruttoinlandsprodukts in der Weltwirtschaftskrise in diesem Jahr aber wieder ein Wachstum. Nasarbajew äußerte sich enttäuscht, dass wenige deutsche Firmen in Kasachstan investierten und bot ausdrücklich den Einstieg im Rohstoffbereich an. Sowohl im Metall- als auch im Chemiebereich seien Kooperationen möglich. „Wir sind bereit, gemeinsam zu investieren.“

Die deutsche Industrie erhofft sich nach Angaben des Delegierten der deutschen Wirtschaft für Zentralasien, Jörg Hetsch, vor allem Aufträge im Energie- und Verkehrsbereich oder etwa bei der Entwicklung der chemischen und pharmazeutischen Industrie. Während des Besuches wurden nach Angaben von Nasarbajew und Merkel Vereinbarungen mit einem Wert von über zwei Milliarden Dollar unterzeichnet. Allerdings handelt es sich meist um Absichtserklärungen. So unterzeichnete Siemens mit der kasachischen Staatsbahn ein Memorandum of Understanding über die Modernisierung des Schienennetzes. Angepeilt werden dabei die Ausrüstung für 110 Passagierlokomotiven bis 2020 sowie eine Modernisierung der Stromversorgung der Bahn und der Signal- und Sicherungstechnik. Der Handelskonzern Metro will in dem Land für 200 Millionen Euro zehn Märkte aufbauen. „Das Land ist im Aufbruch“, sagte Siemens-Chef Peter Löscher und verwies auf die Rohstoffeinnahmen und die langfristige Modernisierungsstrategie der Regierung. rtr

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