Wirtschaft : Kein Vertrauen in den Dollar

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Von Daniel RheePiening

Wer gehofft hatte, die Senkung der Leitzinsen durch die Europäische Zentralbank werde auch den Euro gegenüber dem Dollar wieder billiger machen – und damit den europäischen Exporteuren das Geschäft erleichtern–, wurde bereits am Freitag enttäuscht. Die Spekulation auf sinkende Zinsen in Europa, die dem Dollar noch zum Wochenbeginn zu einer Erholung verholfen hatte, verpuffte bereits vor dem Ende der Woche wieder. Die europäische Gemeinschaftswährung setzt – so scheint es – zu einem neuen Höhenflug an. Die Investoren wenden sich allerdings nicht in erster Linie dem Euro zu, sie wenden sich erneut vom Dollar ab.

Denn auch der US-Notenbankpräsident Alan Greenspan will eine Zinssenkung durch die Fed nicht ausschließen. Der alte Zinsabstand zu Europa könnte bald wieder hergestellt sein. Die Anleger achten zudem nicht nur allein auf die Zinsen, sondern eben auch auf die längerfristig wirkenden Wirtschaftsdaten. Und da zeigt sich, dass der Euro nicht etwa aufgrund seiner eigenen Stärke steigt, sondern dass der Kurs vor allem die Schwäche des US-Dollar widerspiegelt.

Und der Dollar leidet unter den schlechten Nachrichten aus den USA. Zwar mögen diese – wie etwa die jüngsten Arbeitsmarktzahlen am Freitag – im Einzelfall etwas besser ausfallen als erwartet. Aber an den Devisenmärkten wird derzeit vor allem über zwei Zahlen diskutiert: das enorme Defizit in der Leistungsbilanz der Vereinigten Staaten und die wachsenden Haushaltslöcher. Solange sich hier keine Besserung abzeichnet, wird das Misstrauen gegenüber dem Dollar an der Devisenmärkten bestehen bleiben. Dem kann die EZB mit ihrer Zinspolitik allenfalls vorübergehend entgegenwirken.

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