Wirtschaft : Kein Widerstand aus Brüssel

EU und USA müssen die Daimler/Chrysler-Fusion absegnen DÜSSELDORF/BRÜSSEL/WASHINGTON (HB).So gewaltig die angekündigte Fusion im Automobilsektor auch ist, unter wettbewerbsrechtlichen Gesichtspunkten haben die Konzernstrategen aller Voraussicht nach keine Stolpersteine zu erwarten.Dies ergab eine Umfrage des Handelsblatts.So erwartet der Präsident des Bundeskartellamtes, Dieter Wolf, weder nach nationalem noch nach europäischem oder US-amerikanischem Recht Schwierigkeiten: "Ich sehe keinen Ansatzpunkt für eine marktbeherrschende Stellung", sagte Wolf.In der Sache zuständig sind ohnehin Wolfs Kollegen in Brüssel.Aber auch den europäischen Wettbewerbshütern bereitet der Daimler-Chrysler-Coup wenig Kopfzerbrechen.Während der zuständige EU-Kommissar Karel Van Miert in der Vergangenheit bisweilen bereits unmittelbar nach Bekanntwerden von Zusammenschlußvorhaben forsch Bedenken anmeldete, wird jetzt in Brüssel deutlich abgewunken: Formale Zuständigkeit: ja, inhaltlich: wenig Probleme, heißt es in Van Mierts Umgebung.Die Autohochzeit fällt schon deshalb unter die seit knapp neun Jahren angewandte EU-Fusionskontrollverordnung, weil die sogenannten Aufgreifschwellen stimmen: Danach muß ein Zusammenschluß automatisch in Brüssel zur Genehmigung vorgelegt werden, wenn die Partner es gemeinsam auf dem Weltmarkt auf einen Umsatz von mindestens fünf Mrd.Ecu (knapp 10 Mrd.DM) bringen.Eine andere Schwelle, die im Fall Chrysler/Daimler Benz ebenfalls erreicht wird, sieht einen Mindestumsatz von 250 Mill.Ecu (knapp 500 Mill.DM) auf dem europäischen Markt vor.Daß einer der Beteiligten nicht in der EU ansässig ist, ist unerheblich.Die Kommission hat auch schon (wie 1996 im Falle des Schweizer Chemiekonzerns Novartis und 1997 bei der Fusion von Boeing/McDonnell Douglas) Fusionen aus Drittstaaten auf den Prüfstand gestellt.Entscheidend für Brüssel ist die Auswirkung der Fusion auf den Europäischen Markt.

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