Wirtschaft : Keine Angst vor Südkorea

BERLIN (lvt/AFP/dpa).Deutschlands Elektronikbranche sieht der möglichen Ausweitung südkoreanischer Exporte auf den europäischen Markt gelassen entgegen.Zu Wochenbeginn hatte der Samsung-Konzern angekündigt, den Export von Informations- und Kommunikationstechnik auszuweiten und seine Marktanteile erhöhen zu wollen.Von einer "Exportoffensive" auf dem Telekommunikationsmarkt oder bei der Unterhaltungselektronik sei bisher jedoch nichts zu spüren, sagte Willy Fischel, Geschäftsführer des Verbands der Einzelhändler für Unterhaltungselektronik in Köln, auf Anfrage."Das hat sich im Handel noch nicht bemerkbar gemacht", sagte Fischel.Und das, obwohl die Koreaner schon seit längerem Druck machen.Zwar seien angesichts der Asienkrise sinkende Preise von Anbietern aus den betroffenen Regionen "ein Thema" für die Branche, aber eine Bedrohung stellten sie bisher nicht dar.Auch bei niedrigeren Preisen der asiatischen Mitbewerber seien die europäischen Konzerne durch rationalisierte Fertigungstechniken inzwischen in der Lage, "dem Preisdruck standzuhalten".

Forcierte Exporte aus Südkorea und anderen asiatischen Staaten könnten allerdings vorübergehend zu einer "Preisverwirrung" auf dem deutschen Markt führen, schätzt Borwin Stech von der Geschäftsleitung des Berliner Telefonherstellers DeTeWe.Die Chancen von Samsung und anderen Unternehmen auf größere Marktanteile im Bereich der Telekommunikation hält er jedoch für gering."Als Newcomer haben sie es in Deutschland sehr schwer, in die Vertriebskanäle zu kommen und vergleichbare Service-Angebote zu machen wie wir." Verstärkte Exporte aus Südkorea würden den Marktführer der Branche, Siemens, ebenso wenig stören wie Bosch, Alcatel oder eben DeTeWe."Für die nächsten Jahre sehe ich hier keine großen Gefahren."

Auch die Autobranche gibt sich gelassen.Droht Gefahr aus Fernost? "Ganz im Gegenteil", sagt VW-Sprecher Fred Bärbock."Wir konnten trotz der Konkurrenz aus Südkorea unseren Marktanteil weiter ausbauen." Marktführer VW habe das Preis-Leistungs-Verhältnis so optimiert, daß auch bei verbilligten Angeboten aus Asien keine Gefahr bestehe, Kunden zu verlieren.Die Marktanteile der koreanischen Marktführer Daewoo und Hyundai lagen in den ersten fünf Monaten dieses Jahres bei 0,54 (1997: 0,61) und 0,61 (0,47) Prozent, wie der Verband der Importeure von Kraftfahrzeugen mitteilt.

Unterdessen leidet die koreanische Automobilindustrie unter anhaltenden Streiks.Seit Dienstag befinden sich nach Gewerkschaftsangaben über 100 000 Beschäftigte im Ausstand.Betroffen sind vor allem die Auto- und die Metallbranche.Die Arbeiter protestieren gegen drohende Massenentlassungen.Die südkoreanische Regierung hatte den Kündigungsschutz gelockert, um die Sanierung angeschlagener Unternehmen zu erleichtern.Beim größten Autohersteller Hyundai fordert die Gewerkschaft die Rücknahme eines Entlassungsplans, der über 4800 Beschäftigte den Job kosten würde.Auch beim zweitgrößten Hersteller Daewoo wurde am Mittwoch wieder gestreikt.

Mehr lesen? Jetzt gratis E-Paper testen!

0 Kommentare

Neuester Kommentar