Wirtschaft : Keine Entspannung auf dem Ausbildungsmarkt

Arbeitsamt: "Anlaß zur Sorge" / IW: Firmen wollen ausbilden

Berlin/Bonn (mot/AFP).Die Chancen vieler Jugendlicher, gegenwärtig in Berlin und Brandenburg einen Ausbildungsplatz zu finden, haben sich im Vergleich zum vergangenen Jahr erheblich verschlechtert.Im Mai entfielen nach Angaben des Landesarbeitsamts in Berlin auf 100 betrieblich besetzbare Ausbildungsplätze 244 Bewerber (1996: 224), in Brandenburg waren es 374 (281) Bewerber.Damit habe sich der negative Trend aus den Vormonaten verfestigt, was "Anlaß zu großer Sorge" gebe, erklärte der Präsident des Landesarbeitsamtes Berlin-Brandenburg Klaus Clausnitzer am Dienstag in Berlin."Offenbar erreichen unsere Appelle nicht mehr die, die sie hören müßten, nämlich die Arbeitgeber", sagte Clausnitzer. Das Landesarbeitsamt registrierte Ende Mai in Berlin 26 695 Bewerber, 1700 oder 6,8 Prozent mehr als im Mai 1996.Zugleich sank die Zahl der gemeldeten Ausbildungsplätze um zwei Prozent (226) auf 10 930.Besonders deutlich verschlechterte sich das Verhältnis von Angebot und Nachfrage im Land Brandenburg, wo 1444 Stellen (14,1 Prozent) weniger als 1996 gemeldet wurden.Insgesamt standen 8830 freien Ausbildungsplätzen 32 981 Bewerber gegenüber, 4134 (14,3 Prozent) mehr als im Vorjahr. Die erhöhte Nachfrage erklärt sich Clausnitzer zufolge zum einen durch die gestiegene Zahl von Schulabgängern und zum andern durch eine verstärkte Nachfrage von nicht versorgten Bewerbern der Vorjahre.Der Anteil dieser "Altnachfrage" an der gesamten Bewerberzahl liege in Berlin inzwischen bei 43 Prozent, in Brandenburg bei 36 Prozent.Die von Jahr zu Jahr wachsende Altnachfrage entwickele sich "zu einem zusätzlichen ernstzunehmenden Belastungsfaktor".Eine Entlastung des Ausbildungsmarktes verspricht sich Clausnitzer vom Aktionsprogramm Lehrstellen Ost, das Bund und Länder Mitte Mai verabschiedet haben und das in Ostdeutschland 15 000 betriebliche Ausbildungsplätze fördern soll.Das Kontingent sehe 1997 für Berlin 1616 und in Brandenburg 3116 zusätzliche Lehrstellen vor. Bundesweit könnte sich die Situation auf dem Ausbildungmarkt nach Angaben des arbeitgebernahen Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) in Zukunft entspannen.Die Unternehmen seien vermehrt zur Ausbildung bereit und wollten den Schulabgängern im bevorstehenden Lehrjahr rein rechnerisch ausreichend viele Lehrstellen anbieten, berichtete das IW am Dienstag in Bonn.Einer aktuellen IW-Umfrage quer durch alle Branchen und Regionen zufolge, seien gemessen an den Neuabschlüssen des vergangenen Jahres im Ausbildungsjahr 1997/98 rund 2,4 Prozent mehr Lehrstellen zu erwarten, was den prognostizierten Mehrbedarf von 13 000 Stellen auffange.Der optimistische Ausblick gelte indes nicht für die neuen Länder, wo sich mit einem Rückgang des Lehrstellenangebots um zehn Prozent eine "dramatische" Situation abzeichne.

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