Wirtschaft : Keine Entwarnung für den Standort Deutschland

Im globalen Wettbewerbsreport des Weltwirtschaftsforums rutscht die Bundesrepublik auf Platz 25 ab / Asien-Krise lenkt ab DAVOS (dpa).Angesichts der Studie über die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Wirtschaft bewegten sich die offiziellen Vertreter Deutschlands beim Managertreffen in Davos auf unsicherem Terrain.Immerhin war das ehemalige Musterland beim Veranstalter des Weltwirtschaftsforums auf den 25.Platz im globalen Wettbewerbsreport (1996: 22.Platz) abgerutscht.Vor allzu kritischen Fragen bewahrte Bundeskanzler Helmut Kohl und Wirtschaftsminister Günter Rexrodt diesmal ein aktueller Krisenfall: Die Managergemeinde suchte bei ihrem Treffen, das am Dienstag zu Ende geht, vor allem nach Antworten auf die Asien-Krise.Daran mochte auch die Tatsache nichts ändern, daß sich eine eigene Diskussionsrunde mit Deutschlands künftigem "Aufstieg oder Niedergang?" befaßte."Die wichtigste Person ist da ohnehin nicht erschienen", klagte ein Redner und meinte den deutschen Staatssekretär Jürgen Stark. Dafür hatte Bundeskanzler Kohl als Eröffnungsredner seine Botschaft an die 1000 Topmanager, 250 Kabinettsmitglieder sowie 300 Wissenschaftler und Journalisten aus aller Welt bringen können."Deutschland ist gut vorbereitet auf die Herausforderungen der Zukunft", meinte der Kanzler, der auf steigende Weltmarktanteile etwa bei Produkten der Hochtechnologie und des Umweltschutzes verweisen konnte."Das war wohl schon eine Wahlkampfrede", mutmaßte Lance Knobel, Chefredakteur der Forums-Zeitschrift "Worldlink" und Mitarbeiter am jährlichen Bericht zur Wettbewerbsfähigkeit.Fest stehe aber auch, daß "Deutschland in diesem Jahr sicher besser wegkommen wird".Doch orientiere sich die Hitliste der Wettbewerbsfähigkeit nicht nur an "harten Fakten", sondern auch an der persönlichen Einschätzung der Geschäftsleute.Die Geschäftswelt, deren Beurteilung in den Davoser Report mit eingeht, hatte die Lage des vereinigten Deutschland aber schon im angeblich so katastrophalen Vorjahr anders gesehen und Deutschland auf Platz vier gesetzt.Es führten die USA vor Japan und Singapur, zwei Länder, die in diesem Jahr wohl Probleme haben werden, ihre Stellung zu halten."Japan ist ein Problem - Deutschland ist kein Problem", erklärte Martin Kohlhaussen, Vorstandssprecher der Commerzbank.Allerdings müßten die politischen Entscheidungsträger mit ihren angepeilten Strukturreformen "hinbekommen, was dringend nötig ist". Entwarnung für Deutschland wollte in Davos aber niemand geben.Die asiatischen Staaten werden aus ihrer schweren Finanzkrise gestärkt hervorgehen, meinten viele Teilnehmer der Tagung.Diese Länder würden sicher die Kraft für die dazu nötigen Reformen aufbringen, lautete die allgemeine Überzeugung.Und auch dem Wirtschaftswunderland USA wird nach Ansicht der Geschäftwelt so schnell nicht die Puste ausgehen.Daran ändere auch die allgemeine Verwirrung über die kleinen Dollar-Turbulenzen nach den Gerüchten über die angebliche Sex-Affäre Clintons nichts.Der US-Präsident habe wenigstens ein vertrauenswürdiges Team, das auch in schwierigen Zeiten gute Sacharbeit leiste, meinte Rudi Dornbusch, Wirtschaftsprofessor am Massachusetts Institute of Technology.In Deutschland sei das ganz anders, ließ er das Auditorium wissen: "Wenn Kohl schlecht drauf ist, passiert nichts im Land." Besser würde es dem Land auch unter dem Sozialdemokraten Oskar Lafontaine nicht ergehen, vertraute er dem "Wall Street Journal" an: "Es gibt keine Lösung außer Schröder.Sein Vorteil ist, daß er keine Überzeugungen hat - so wie Clinton."

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