Wirtschaft : Keine Filter aus Neukölln

Melitta streicht mehr als 100 Arbeitsplätze im Berliner Werk BERLIN (alf).Der Melitta-Konzern baut in seinem Berliner Werk rund drei Viertel der gut 160 Arbeitsplätze ab.Bis Ende des Jahres soll die im Neuköllner Betrieb angesiedelte Papierverarbeitung geschlossen und auf die Melitta-Standorte Minden und Chézy in Frankreich verlagert werden, teilte das Unternehmen am Dienstag mit.Nach Angaben der IG Medien sind in Berlin "ca.135 Mitarbeiter" betroffen, Melitta spricht von "etwas mehr als 100 Arbeitsplätzen".Bereits Mitte des vergangenen Jahres war das Berliner Werk von einer Verlagerungsentscheidung betroffen: Damals wurde die Folienproduktion (zum Beispiel Gefrierbeutel) an der Spree eingestellt und am Hauptsitz Minden konzentriert; in Berlin verloren rund 60 Mitarbeiter ihren Arbeitsplatz.Nach dem nun geplanten Ende der Papierverarbeitung werden laut Unternehmenssprecherin Annette Kahre noch etwa 60 Berliner in der Papierherstellung beschäftigt.Wieviele Arbeitsplätze tatsächlich erhalten blieben, hänge von den Sozialplanverhandlungen mit den Arbeitnehmervertretern ab.Als Gründe für die Standortentscheidung zugunsten Mindens und des französischen Chézys nannte Kahre zum einen die verstärkte Ausrichtung auf Westeuropa; das habe für Chézy gesprochen.Am Unternehmenssitz Minden seien Vertrieb, Marketing sowie Forschung und Entwicklung angesiedelt, deshalb sei die Konzentration auf diesen Standort naheliegend gewesen.Allerdings sollen auch in Minden "aufgrund von Rationalisierungsmaßnahmen rund 50 Arbeitsplätze in den nächsten drei Jahren entfallen".Die Standortkonzentration sei "Teil eines Gesamtprogramms, mit dem Melitta in Europa seine Marktposition von Deutschland und Frankreich aus stärken will". Im seit 1972 bestehendem Berliner Werk wurden bislang vor allem Kaffeefilter produziert; in diesem Bereich ist Melitta Marktführer in Europa.Schätzungen zufolge hat die Unternehmensgruppe im vergangenen Jahr rund 2,3 Mrd.DM umgesetzt, 16 Prozent mehr als im Vorjahr.Die Beschäftigtenzahl lag zuletzt bei 4600, davon 1800 im Inland.Die Schwerpunkte des Familienkonzerns sind Haushaltsprodukte und Kaffee.Rund 30 Prozent der Erlöse stammen aus der Kaffeesparte, gut 35 Prozent aus dem Bereich Haushaltsprodukte, zu dem neben dem Berliner Werk Fertigungsstätten unter anderem in Österreich, Belgien und den Niederlanden gehören.Auf den Geschäftsbereich "Regionen", nämlich den pazifischen Raum, die USA und Brasilien, entfällt ein Umsatzanteil von rund 17 Prozent.Auf einen Anteil von jeweils rund fünf Prozent kommen die Sparten Gastronomie und Papierindustrie sowie die Tochter Cofresco Frischhalteprodukte (Haushaltsfolien, Müll- und Staubsaugerbeutel sowie Backpapier).Über die Ertragslage der Melitta-Gruppe gibt die Eigentümerfamilie Benz seit 89 Jahren keine Auskunft.Im vergangenen August hatte indes der persönlich haftende Gesellschafter Jörg Benz angedeutet, daß Melitta vom Ziel einer Umsatzrendite von fünf Prozent vor Steuern noch weit entfernt sei.

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