Wirtschaft : Keine Grenzen für den Kapitalismus

BERLIN (alf). Der Siegeszug des Kapitalismus ist unaufhaltsam, offene Märkte bringen den Wohlstand rund um die Welt. Deshalb sollten sich staatliche Aktivitäten darauf beschränken, "das Funktionieren des privaten Sektors zu gewährleisten", forderte der Aufsichtsratsvorsitzende der Deutschen Bank, Hilmar Kopper, am Freitag in Berlin auf einem zweitägigen Kolloquium "Der Kapitalismus im 21. Jahrhundert".Am Ende des "Jahrhundert des Kapitalismus" (Deutsche Bank-Sprecher Rolf E. Breuer) diskutierten auf Einladung der Alfred Herrhausen Gesellschaft zahlreiche Spitzenmanager, Politiker und Wissenschaftler die Perspektiven des marktwirtschaftlichen Systems. Für DaimlerChrysler-Vorstandschef Robert Eaton liegt der Kapitalismus "in der menschlichen Natur: man will das Meiste für das Wenigste kriegen". Dieses System sei unschlagbar, da "es die Wirtschaft an die menschliche Natur bindet". Eaton räumte ein, der Kapitalismus "ist nicht perfekt und selten fair, manchmal kommen die Bösen gut dabei weg". Alles in allem "sind die Kosten hoch", meinte Eaton insbesondere mit Blick auf individuelle Armut. "Aber die Belohnung ist höher."Sowohl Eaton als auch sein Ko-Vorstandsvorsitzender bei DaimlerChrysler, Jürgen Schrempp, betonten die "Verpflichtungen des freien Unternehmertums" für die jeweiligen Gesellschaften. "Wir brauchen die Akzeptanz der Menschen", sagte Schrempp, und beschrieb die Strategie des eigenen Konzerns mit "global denken, lokal handeln". Grundsätzlich hätten Unternehmen in den Ländern, in denen sie tätig sind, "einen Beitrag zur sozialen Stabilität zu leisten". Den Begriff Globalisierung definierte Schrempp nicht nur als Wettbewerb von Unternehmen und Produkten auf allen Märkten, sondern "auch als Wettbewerb von Werten". Die "freiheitlich demokratische Wirtschaftsethik" habe sich durchgesetzt, weil die Verbesserung der Lebensverhältnisse allein "durch die Entfesselung der Marktkräfte" erreicht worden sei. "Der Kapitalismus besitzt als solcher eine sittliche Qualität, weil er für breite Bevölkerungskreise Wohlstand schafft", sagte der DaimlerChrysler-Chef. Das Geschehen auf den weltweiten Kapitalmärkten bewertete Schrempp alles in allem positiv, da der grenzenlose Kapitalverkehr zu "Transparenz, Effizienz und Profitabilität" führe. Ein "Frühwarnsystem" für sich abzeichnende Verwerfungen auf den Kapitalmärkten sei aber wünschenswert. Schrempp wünscht sich ferner eine Art Ordnungsrahmen für einen "transatlantischen Binnenmarkt" aus EU und USA. Wenn beispielsweise in Nordamerika und Europa die Zulassungsvorschriften für Autos angeglichen würden, könnten Schrempp zufolge die Pkw-Entwicklungszeiten um 15 bis 20 Prozent reduziert werden. Auch am Beispiel des eigenen Konzerns erläuterte Schrempp die Unvermeidlichkeit einer globalen Strategie: DaimlerChrysler investiere jeden Tag 42 Mill. Euro. Diese Kosten rechneten sich nur dann, wenn sie auf größere Stückzahlen verteilt werden könnten, was wiederum nur die Präsenz auf allen wichtigen Märkten gewährleiste.Sowohl in Europa als auch in den USA "stehen wir heute an einer entscheidenden Wegmarke": Die Alternativen seien Wohlstand und Arbeitsplätze durch weitere Öffnung der Märkte oder "Reglementierung und Abschottung als ein Akt unsozialer Politik. Denn offene Märkte sind eine eminent soziale Veranstaltung", sagte Schrempp.Der stellvertretende Vorsitzende der CDU/CSU-Fraktion, Friedrich Merz, wies darauf hin, daß die Akzeptanz der Marktwirtschaft in Deutschland - insbesondere im Osten - abnehme. Was Hilmar Kopper damit erklärte, "daß wir zu wenig Marktwirtschaft haben". Beispielhaft für Marktbarrieren nannte Kopper den Ladenschluß, "über den 20 Jahre diskutiert wurde, und dann schrieb man ihn nur neu auf".

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