Wirtschaft : Keine Jacht mehr von Thyssen-Krupp

Der Essener Konzern verkauft den zivilen Schiffbau von Blohm + Voss an britischen Finanzinvestor/Weitere Verkäufe geplant.

Zum Bild des Hamburger Hafens gehören die Docks von Blohm + Voss. Foto: AFP
Zum Bild des Hamburger Hafens gehören die Docks von Blohm + Voss. Foto: AFPFoto: AFP

Berlin - Endlich ein Erfolg für Heinrich Hiesinger? Nicht wirklich. Jedenfalls nicht nach Einschätzung der Kapitalmärkte: Mit einem Minus von knapp drei Prozent verlor die Aktie von Thyssen- Krupp am Montag noch etwas mehr als der Markt insgesamt. Die Nachricht vom Verkauf des zivilen Schiffbaugeschäfts von Blohm + Voss an den britischen Finanzinvestor Star Capital konnte also keineswegs die Talfahrt der Aktie stoppen. Dabei gehört der Verkauf zum großen Umbauprogramm, dass der neue Vorstandsvorsitzende Hiesinger im vergangenen Mai angekündigt hatte. Alles in allem will Hiesinger Unternehmensteile und -töchter mit 33 000 Beschäftigten verkaufen – um die Schulden abzubauen und um Mittel für Investitionen in Technologiebereichen zu bekommen. Das Gewicht der Stahlsparte, die dem Konzern im kürzlich abgelaufenen Geschäftsjahr einen Verlust von 1,8 Milliarden Euro eingebrockt hatte, soll mittelfristig kleiner werden.

Erst 2005 hatte Thyssen-Krupp Blohm + Voss gekauft, die Hamburger Werft, die 1877 gegründet worden war und heute noch über zwei Bau- und fünf Reparaturdocks unter anderem im Hamburger Hafen verfügt. Die rund 1500 Beschäftigten erwirtschaften einen Umsatz von etwa 500 Millionen Euro – mit dem Bau von Jachten und Spezialschiffen sowie mit Reparaturleistungen. Unter anderem baute Blohm + Voss für den russischen Milliardär Roman Abramowitsch eine Megajacht.

Der Investmentfonds Star Capital wurde 2000 gegründet und verfügt nach eigenen Angaben über rund eine Milliarde Euro. Fonds-Geschäftsführer Tony Mallin erklärte in London nach Angaben der Nachrichtenagentur AFP, Star Capital wolle „bedeutende“ Beträge in die neue Hamburger Tochter investieren. An Thyssen-Krupp zahlen die Briten dem Vernehmen nach 150 Millionen Euro.

Nachdem Thyssen-Krupp den zivilen Schiffbau verkauft hat, bleibt noch der militärische Bereich im Portfolio. Doch die Docks für Fregatten und U-Boote kann und will Hiesinger auch aus politischen Gründen nicht verkaufen. In diesem Segment beschäftigt der Essener Konzern etwa 3700 Menschen in Hamburg, Kiel, Emden und in Schweden. alf

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