Wirtschaft : Keine Knaller in Wolfsburg

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Von Carsten Brönstrup

Wenn an Silvester in Wolfsburg die ersten Feuerwerksraketen gezündet werden, wird Bernd Pischetsrieder vermutlich erleichtert aufatmen. Denn das Jahr 2003 war für den VolkswagenKonzern und dessen Vorstandschef alles andere als ein Knaller. Als negativer Höhepunkt erweist sich nun die Nachricht vom schleppenden Absatz und von den Produktionsproblemen beim neuen Golf, dem Hoffnungsträger des Konzerns: 25000 Autos weniger als geplant wird VW bis Jahresende produziert haben. Und ob die ehrgeizigen Ziele im kommenden Jahr zu erfüllen sein werden, ist angesichts der immer noch schwächelnden Autokonjunktur unsicher. Pischetsrieder muss aufpassen, dass ihn sein früheres Image vom zögerlichen Geldvernichter nicht einholt. 1999 ist er bei BMW schon einmal an der Spitze eines großen Konzerns gescheitert, weil er Probleme nicht zügig genug angepackt hatte.

Probleme hat er auch jetzt zur Genüge. 2003 wird der VW-Gewinn nicht einmal die Hälfte des Vorjahreswertes von 4,8 Milliarden Euro erreichen. Schuld daran ist der Verkaufsflop der Luxuslimousine Phaeton, die vom Anspruch, der Mercedes S-Klasse und der BMW 7er-Reihe Paroli zu bieten, weit entfernt ist. Hinzu kam der starke Euro – VW hatte sich nicht ausreichend gegen Kursschwankungen abgesichert und musste beim Auslandsgeschäft Einbußen hinnehmen. Die Modellpalette lässt ohnehin zu wünschen übrig. Imageträchtige Nischen, etwa bei flotten Roadstern, Coupés oder kleinen Geländewagen, hat das Unternehmen zu spät oder gar nicht besetzt, Ertragsbringer wie der Passat sind in die Jahre gekommen. Und einen echten Trendsetter wie einst den Golf haben die Volkswagen-Entwickler schon lange nicht mehr ersonnen.

Pischetsrieder hat diese Probleme erkannt. Nun muss er aufs Tempo drücken, damit sie schneller, als er das bislang geplant hatte, gelöst werden. Sonst wird der Volkswagen-Chef auch Silvester 2004 wenig zu feiern haben.

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