Wirtschaft : Keine Lizenz zum Gelddrucken

Wie es um die Pläne der UMTS-Investoren in Deutschland steht

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Von Alexander Visser

Es war auf dem Höhepunkt der Mobilfunk–Euphorie. Am Ende der Auktion im Sommer 2000 knallten die Champagnerkorken. Sechs Bieter hatten eine Lizenz zum Betrieb von UMTS-Mobilfunknetzen ersteigert. Mannesmann D2 (heute: Vodafone), T-Mobile, E-Plus, Viag Interkom (heute: O2), Mobilcom und das 3G Konsortium (heute: Quam). Rund 50 Milliarden Euro, pro Bieter rund 8,4 Milliarden Euro, hatten sie ausgegeben. Doch die UMTS-Lizenz erwies sich nicht als die erhoffte Lizenz zum Gelddrucken, die Auktionsgewinner mussten Milliarden abschreiben. Wie steht es um die Lizenznehmer jetzt?

Quam

Quam war der erste Inhaber einer deutschen UMTS-Lizenz, der aufgab. Der Großteil der 900 Arbeitsplätze wird bis Anfang 2003 wegfallen. Die Muttergesellschaften, die spanische Telefónica und die finnische Sonera, hatten Ende Juli angekündigt, ihr Geschäft in Deutschland, Österreich, Italien und der Schweiz einzustellen – „bis zur Marktreife von UMTS“, wie es bei Telefónica hieß. Das könnte noch dauern. Jetzt müssen die beiden Firmen mit Kritik an den Milliarden-Abschreibungen leben. Die spanisch-finnische Allianz hatte im Jahr 2000 eine ungünstige Ausgangsposition: kein Netz, keine Kunden, keine bekannte Marke. „Sonera stärkte den deutschen Haushalt“, kritisierte die finnische Presse jetzt. Helsinki hält 53 Prozent der Sonera-Anteile. Noch will Telefónica-Chef César Alierta die Lizenz-Milliarden nicht ganz abschreiben. Die Spanier setzen die deutsche Regulierungsbehörde für Telekommunikation unter Druck, um eine Änderung bei den Lizenz-Auflagen zu erreichen. Sie wollen ihren Anteil des Frequenzspektrums weiterverkaufen. Dagegen wehrt sich allerdings die schweizer Swisscom, die aus der Lizenz-Versteigerung ausgestiegen war. Sie argumentiert, die Behörde könne die Lizenzbedingungen nicht im Nachhinein verändern.

Mobilcom

Der kometenhafte Aufstieg des Büdelsdorfer Unternehmens endet nach dem Ausstieg des Geldgebers France Télécom im Sturzflug. Mit Hilfe von Mobilcom und der UMTS-Lizenz wollten die Franzosen im wichtigen deutschen Markt Fuß fassen. Mobilcom wollte sogar als erster Betreiber schon in diesem Jahr UMTS-Dienste anbieten. Doch für den Aufbau der Netz-Infrastruktur hätten die Franzosen weitere Milliarden investieren müssen. Angesichts eines Schuldenstandes von 70 Milliarden Euro keine Option. Die 5500 Mobilcom-Mitarbeiter, von denen 1000 direkt mit den UMTS-Diensten zu tun hatten, bangen um ihre Jobs. Manche Beobachter sehen für Mobilcom eine Zukunft nach dem Ende des UMTS-Engagements. Immerhin 4,9 Millionen Menschen telefonieren mit Mobilcom, davon 3,3 Millionen mit festem Vertrag. An den Kunden ist die Konkurrenz stark interessiert, doch sie will dafür möglichst kein Geld ausgeben und zeigt kein Interesse an der Übernahme von Mobilcom. Und was ist mit der Lizenz? Sollte Mobilcom Pleite gehen oder bis 2003 keine UMTS-Infrastruktur aufgebaut haben, fällt sie an die Regulierungsbehörde zurück.

E-Plus

Mit Quam und Mobilcom sind E-Plus zwei Konkurrenten abhanden gekommen – aber auch zwei wichtige Kunden. Schließlich hatte die Düsseldorfer Tochter der niederländischen KPN mit beiden lukrative Roaming-Verträge abgeschlossen. Quam und Mobilcom wollten das bestehnede Netz von E-Plus mitnutzen. Auch beim Aufbau des UMTS-Netzes wollte E-Plus mit Quam kooperieren. Jetzt sagen die Düsseldorfer, die mit rund 7,1 Millionen Kunden drittgrößter Mobilfunkanbieter in Deutschland sind, sie könnten den Aufbau der Infrastruktur allein bewerkstelligen. Doch auch KPN schleppt eine Schuldenlast von 22 Milliarden Euro mit sich herum.

O2

Die Londoner Muttergesellschaft mmO2 freute sich am Freitag, dass sie nach dem Rückzug von France Télécom „ein größeres Stück vom Kuchen“ abbekomme. Die frühere British-Telecom-Tochter wird nun Jagd auf Mobilcom-Kunden machen. Durch die Übernahme von Viag Interkom haben die Briten in Deutschland rund vier Millionen Kunden – zu wenig, um in absehbarer Zeit mit UMTS Geld zu verdienen. Experten sehen für O2 bessere Chancen bei einer Kooperation mit E-Plus. Falls diese zustande käme, müsste die Allianz allerdings eine der beiden Lizenzen zurückgeben, so steht es in den Lizenzbedingungen. Zunächst hat O2 jedoch eine Kooperation mit T-Mobile vereinbart, um gemeinsam das UMTS-Netz aufzubauen.

T-Mobile

Mit mehr als 23 Millionen Kunden hat T-Mobile gute Chancen, irgendwann einmal in der 20-jährigen Lizenzfrist mit UMTS Geld zu verdienen. Doch auch die Deutsche Telekom, Mutter von T-Mobile, freut sich, mit O2 einen UMTS-Sparpartner gefunden zu haben. Das gilt sowohl für Deutschland, wie auch für das T-Mobile-Netz in Großbritannien. Beide Unternehmen wollen so rund 30 Prozent der Kosten sparen. Ein wichtiges Argument für den neuen Telekom-Chef Helmut Sihler, der den 67 Milliarden Euro hohen Schuldenberg möglichst schnell abbauen will.

Vodafone

Als weltweit größter Mobilfunk-Anbieter will Vodafone D2 den deutschen Markt im Alleingang stemmen. Die Briten haben hier rund 21 Millionen Kunden. Zwar sind das weniger als bei T-Mobile, doch die D2-Kunden geben monatlich im Schnitt mehr Geld aus. Trotz der guten Startchancen hat auch Vodafone, wie alle Konkurrenten, den ursprünglich geplanten Starttermin für UMTS verschoben. Statt Ende 2002 wird es nicht vor dem kommenden Frühjahr losgehen.

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