Wirtschaft : Keine Nachsicht mit Nordkorea

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Der Trick kommt aus dem Lehrbuch: Gerät ein Regierungschef zu Hause unter Druck, sucht er Heil in der Außenpolitik. Nur wenige asiatische Staatsmänner haben solche Manöver derzeit nötiger als Japans Ministerpräsident Junichiro Koizumi. Seit er eine Reform nach der anderen in Frage stellt, sinkt seine Beliebtheit dramatisch. Mit dem bevorstehenden Staatsbesuch in Nordkorea will Koizumi diesen Trend brechen und seiner Popularität vor einer anstehenden Kabinettsumbildung Auftrieb geben. Wie es scheint, hat der Trick Erfolg: In Umfragen kommt Koizumi erstmals seit Januar auf eine Zustimmungsrate von über 50 Prozent.

Doch Politikspiele mit der „Achse des Bösen“ sind riskant. Koizumi ahnt das: „Ich setze mit dem Besuch mein politisches Leben aufs Spiel“, sagt er melodramatisch. Was die elf durch nordkoreanische Agenten entführten Japaner angeht, glauben die Wenigsten, dass Koizumis Reise einen Durchbruch bringen wird. Harte Währung ist die einzige Sprache, die das Regime von Kim Jong Il versteht. Und beim Gespräch mit Tokio geht es Kim vor allem darum, Kasse zu machen. Die Entschädigungen für Japans Kriegsverbrechen sollen das bankrotte System über Wasser halten. Mit den im Jahr 1965 gezahlten 500 Millionen Dollar hat Japan einen Maßstab gesetzt, der Pjöngjang die Dollarzeichen in die Augen treibt: Diese Summe entspricht heute zehn Milliarden.

Es ist sicher nicht falsch, wenn sich Tokio seiner Schuld besinnt und großzügige Zahlungen leistet. Diese dürfen jedoch nicht an ein Regime gehen, das mit den Geldern sein Bedrohungspotenzial in der Region noch erhöht und damit neue Generationen von Raketen entwickeln kann, die bis in die USA reichen. Mit seiner Pilgertour nach Nordkorea macht sich Koizumi zu Pjöngjangs Propaganda-Werkzeug. Seine Unart, innenpolitisch alles in Frage stellen, trägt er damit auch in die diplomatische Arena, was seinem Ruf in Washington weiter schaden dürfte. Pjöngjang versucht, einen Keil zwischen Japan und die USA zu treiben. Koizumi sollte sich den Erfolg von Bushs Nordkorea-Politik vor Augen halten: Die harte Gangart gegenüber Kim Jong II hat den dazu verdammt, über Mittelsmänner mit den USA zu verhandeln – und anzudeuten, dass er zum Nachgeben bereit sei.

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