Keine Nachtschichten : Athen kann Steuerfahnder nicht bezahlen

In Griechenland dürfen Steuerkontrolleure nur bis 22 Uhr arbeiten. Das Nachtleben dort beginnt aber erst gegen Mitternacht. Die Einbußen für den Fiskus dürften sich jedes Jahr auf hunderte Millionen Euro belaufen.

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Die Steuerfahnder sind in Griechenland hoffnungslos überfordert.
Die Steuerfahnder sind in Griechenland hoffnungslos überfordert.Foto: dpa

Steuerhinterziehung? Bitte nicht nach 22 Uhr – das ist die Botschaft des griechischen Finanzministeriums an die Nachtklubbetreiber des Landes. Die werden sich freuen. Denn das Nachtleben erwacht in Griechenland traditionell erst gegen Mitternacht. Dann haben die Steuerfahnder längst Feierabend. Für nächtliche Überstunden der Beamten fehlt dem Finanzminister nämlich das Geld.

Advent, Weihnachten und der Jahreswechsel sind Hochsaison für die griechische Gastronomie. Vor allem in den Bouzoukia, den großen Nachtklubs mit ihren aufwendigen Musikshows, herrscht dieser Tage reger Betrieb. Trotz der Rezession, die den meisten Familien spürbare Einkommensverluste bescherte und die Arbeitslosenquote auf fast 28 Prozent trieb, lassen es sich viele Griechen nicht nehmen, an den Feiertagen mit Freunden und Familie auszugehen.

Ohne Umweg über die Kasse in die Tasche des Wirts

Es ist ein offenes Geheimnis, dass in den Nachtklubs, wie generell in der griechischen Gastronomie, massiv Steuern hinterzogen werden. Viele Drinks gehen ohne den Umweg über die Registrierkasse über den Tresen, kaum ein Gast fragt nach der Quittung, die der Wirt eigentlich ausstellen muss.

Bars, Restaurants und Klubs gehören deshalb zu den bevorzugten Einsatzgebieten der Steuerfahnder. Erst kürzlich stellten die Finanzpolizisten in einem Athener Nachtklub fest, dass der Wirt Umsätze von 13.578 Euro verschleiert hatte – an einem Abend. Viele Geschäftsinhaber lenken nicht nur Umsätze an den Büchern vorbei, sondern stecken auch die Mehrwertsteuer, die sie von den Gästen kassieren, in die eigene Tasche. Die Einbußen für den Fiskus dürften sich jedes Jahr auf hunderte Millionen Euro belaufen.

Die meisten Klubs haben noch gar nicht geöffnet

Die Steuerfahnder mischen sich bisher unter die Gäste. Beobachten sie Unregelmäßigkeiten, zücken sie ihre Dienstausweise. Bei krassen Verstößen, können die Fahnder sogar ein Lokal auf der Stelle schließen. Diese Sorge brauchen sich die Nachtklubwirte im Weihnachtsgeschäft aber nicht zu machen. Das griechische Finanzministerium wies jetzt zwar die Finanzämter in einem Rundschreiben an, in der Gastronomie verstärkt nach Steuerverstößen zu fahnden. Die Kontrollen müssten jedoch bis 22 Uhr abgeschlossen sein, lautet die Weisung. Denn nächtliche Überstunden kann das Ministerium den Steuerfahndern nicht vergüten. Wenn sie um 22 Uhr den Heimweg antreten, haben die meisten Klubs noch gar nicht geöffnet.

Die nach wie vor prekäre Finanzlage Griechenlands veranlasste unterdessen Außenminister Evangelos Venizelos, sich in einem Telefongespräch mit dem amtierenden Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) gegen weitere Sparmaßnahmen auszusprechen. Die Griechen könnten keine zusätzlichen Sparauflagen verkraften, habe Venizelos in dem am Sonntag geführten Gespräch gesagt, hieß es am Montag aus Kreisen des Außenministeriums. Das Krisenland braucht allen Anzeichen nach 2015 und 2016 weitere Hilfe. Die Rede ist von insgesamt mehr als zehn Milliarden Euro.

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