Wirtschaft : Keine Pause für Amazon

Das Kartellamt prüft Preisklauseln des Onlinehändlers – und die dm-Drogerie die weitere Kooperation.

von
Probleme im Paket. Mit der Debatte um die Arbeitsbedingungen von Saisonkräften ist es bei Amazon derzeit nicht getan. Kleine Verlage beklagen sich unter anderem über die in ihren Augen rüde Rabattpolitik des US-Internetkaufhauses. Foto: dpa
Probleme im Paket. Mit der Debatte um die Arbeitsbedingungen von Saisonkräften ist es bei Amazon derzeit nicht getan. Kleine...Foto: dpa

Berlin - Dürfen Händler, die ihre Waren über Amazon vertreiben, diese auf anderen Online-Plattformen wie Ebay oder im eigenen Online-Shop günstiger anbieten? Nein, meint Amazon, und schreibt das auch in seine Verträge. Diese Klausel „kann gegen das allgemeine Kartellverbot verstoßen“, meint Andreas Mundt, Chef des Bundeskartellamts. Die Bonner Wettbewerbshüter haben deshalb damit begonnen, 2400 Händler zu befragen, die Amazon als Marktplatz nutzen.

Es gehe dabei nur vordergründig um Amazon, heißt es bei der Behörde. Das Amt will herausfinden, ob die sogenannte Preisparitätsklausel grundsätzlich den Wettbewerb beschränkt und somit gegen das Kartellverbot verstößt. Händler zahlen an Marktplatz-Betreiber unterschiedliche Entgelte, zum Beispiel einen Anteil des Verkaufspreises. Die Preisparitätsklausel verhindere möglicherweise, dass Konkurrenten von Amazon, Ebay oder anderen etablierten Marktplätzen günstigere Konditionen anbieten könnten. Das könne zu einem erhöhten Preisniveau zulasten des Verbrauchers führen. Eine solche Klausel tauche im E-Commerce inzwischen häufiger auf, sagte ein Sprecher der Behörde dem Tagesspiegel. Ein ähnliches Verwaltungsverfahren laufe derzeit bereits gegen die Hotelplattform HRS. Es gehe nicht darum, Bußgelder zu verhängen, betonte er. Je nachdem, wie die Prüfungen ausfielen, müsse die Preisklausel künftig entfallen oder eben nicht.

Für Amazon hätte der Zeitpunkt der Prüfung dennoch kaum schlechter gewählt sein können. Seit eine Dokumentation in der ARD vor rund einer Woche über schlechte Arbeits- und Lebensbedingungen von Leiharbeitern bei Amazon berichtet hatte, steht der US-Konzern bei deutschen Nutzern in der Kritik. Auf der Facebook-Seite von Amazon Deutschland beteuern Kommentatoren, nicht mehr dort einkaufen zu wollen, und rufen zum Boykott des Onlinehändlers auf. Zwei Dienstleister hat das Unternehmen bereits gefeuert: einen Sicherheitsdienst und eine Leiharbeitsfirma. Sie sollen dafür verantwortlich sein, dass Saisonarbeiter gegängelt und überwacht wurden. Der Darstellung des Personaldienstleisters Trenkwalder, die Bundesagentur für Arbeit (BA) habe bei einer Sonderprüfung nichts zu beanstanden gehabt, widersprach die Nürnberger Behörde am Mittwoch vehement. Es seien sehr wohl „Verstöße gegen das Arbeitnehmerüberlassungsgesetz festgestellt“ worden. Mit Details hielt sich die BA zurück, sie sollen aber wohl an diesem Donnerstag folgen.

Möglicher Ärger steht Amazon auch von Seiten seiner Geschäftspartner bevor. Zwei kleinere Verlage kündigten die Verträge mit dem Versandhaus, weil ihnen die Rabattforderungen zu hoch sind. Bis zu 55 Prozent betragen sie nach Aussagen des Lindlarer Kunst- und Literaturverlegers Christopher Schroer. Der Sprecher des Arbeitskreises Kleinerer Verlage beim Börsenverein des Deutschen Buchhandels, Bernd Weidmann, zeigte für die Kündigung zwar Verständnis. Jedoch sei niemand zu einer Zusammenarbeit mit Amazon gezwungen. Und das Rabattgefüge sei zwar „hart an der Grenze“, aber nicht entscheidend anders als das Höchstrabattniveau der großen Buch- und Zwischenhändler.

Schwerer noch als die Schelte der kleinen Händler würde Amazon die Kündigung großer Partner treffen. Die Drogeriekette dm teilte mit, sie habe die Vorwürfe gegen die Arbeitsbedingungen „sehr aufmerksam zur Kenntnis genommen“. Unternehmenschef Erich Harsch kündigte an, man werde mit Amazon diesbezüglich sprechen und betonte, man prüfe alle Partner „immer wieder“.

Deutschland ist für den US-Konzern der größte Auslandsmarkt mit knapp neun Milliarden Euro Umsatz im abgelaufenen Jahr. Im deutschen Onlinehandel liegt der Marktanteil des Internetkaufhauses bei fast einem Viertel. Zu möglichen Einbußen durch die derzeitigen Schwierigkeiten mit dem eigenen Ruf schweigt das Unternehmen bislang. mit dpa

Autor

2 Kommentare

Neuester Kommentar