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Keine Perspektive : Osram streicht 400 Stellen in Berlin

Leuchtdioden verdrängen die traditionelle Glühbirne. Am Berliner Standort trägt Osram dem Rechnung - mit Stellenabbau. Für einen Teil der Arbeiter könnte der Mutterkonzern Siemens die Rettung sein.

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Energiesparlampen lösen Glühbirnen nach und nach ab - der nächste Schritt sind Leuchtdioden.
Energiesparlampen lösen Glühbirnen nach und nach ab - der nächste Schritt sind Leuchtdioden.Foto: dpa

Der Lichthersteller Osram baut 1050 seiner insgesamt rund 10.000 Arbeitsplätze in Deutschland ab. Besonders hart trifft es das Berliner Werk. Hier sollen bis zum Jahr 2014 insgesamt 400 Arbeitsplätze gestrichen werden. Die Siemens-Tochter Osram begründet dies mit dem Strukturwandel in der Branche. Traditionelle Leuchtmittel, sprich Glühlampen, werden immer häufiger durch Leuchtdioden (LED) ersetzt. Bereits heute erwirtschaftet das Unternehmen rund ein Viertel seiner Umsätze mit LED- basierter Beleuchtung. „LED gehört die Zukunft und wir werden den Strukturwandel aktiv betreiben. Daher ist es uns wichtig, offen und frühzeitig Klarheit für die Mitarbeiter zu schaffen“, sagte Osram-Vorstandschef Wolfgang Dehen.

2012 liege der Fokus in Deutschland „auf einer Reduktion der seit geraumer Zeit anhaltenden Überkapazität im Berliner Werk“, teilte Osram am Dienstag mit. Insgesamt beschäftigt Osram in Berlin noch rund 1600 Mitarbeiter. Sie arbeiten im wesentlichen in zwei Bereichen: Zum einen bauen Sie Lampen für die Automobilindustrie, zum anderen Beleuchtung für Straßen und Schaufenster. In den ersten Bereich will Osram weiter investieren: neun Millionen Euro, um die Fertigung der Automobilbeleuchtung der neuesten Generation auszubauen.
Bei den 400 abzubauenden Stellen handele es sich dagegen überwiegend um Arbeitsplätze in der Fertigung für traditionelle Produkte. 200 Mitarbeiter sollen jedoch Angebote für andere Stellen im Siemens-Konzern am Standort bekommen – soweit ihre Qualifikation passt. Darüber hinaus habe Osram bereits mit rund 150 Mitarbeitern freiwillige Vereinbarungen geschlossen, etwa über Altersteilzeit.

Osram ist neben Philips einer der beiden führenden Lichthersteller der Welt. Im Geschäftsjahr 2011 (bis 30. September 2011) setzte das Unternehmen rund fünf Milliarden Euro um. Weltweit hat Osram 41.000 Beschäftigte und produziert in 44 Fertigungsstätten in 16 Ländern. Noch immer ist Osram eine hundertprozentige Tochterfirma von Siemens. Der Konzern hatte den Lichthersteller im vergangenen Jahr an die Börse bringen wollen, weil wegen des Technologiewandels auf dem Markt enorme Investitionen in das Geschäft notwendig sind, die Siemens nicht allein stemmen wollte. Doch wegen des ungünstigen Umfelds auf dem Kapitalmarkt musste Siemens den Börsengang stoppen. Siemens sei zurzeit auch „nicht wild darauf, Osram an die Börse zu bringen“, sagte Finanzchef Joe Kaeser vor kurzem zu Reuters. „Wenn sich die Entwicklung und das Umfeld stabilisiert haben, werden wir das Vorhaben wieder angehen.“ Osram leidet zunehmend unter dem Konkurrenzdruck den asiatische Anbieter mit billigen Produkten entfachen. Auch der niederländische Siemens-Rivale Philips kämpft mit wachsenden Problemen.

Der Betriebsrat geht davon aus, dass für bis zu 150 Mitarbeiter noch eine Lösung gefunden werden muss, da nicht alle über die Qualifikationen verfügen, um einen Job bei Siemens zu ergattern. Man werde in die Verhandlungen über Interessenausgleich und Sozialplan einsteigen, sagte der Berliner Betriebsratsvorsitzende Gottfried Dolinski dem Tagesspiegel. Bis März werde man fertig sein. Insgesamt sieht er keine große Katastrophe auf das Berliner Werk zukommen: „Wir haben in Berlin Produkte, die noch über einen langen Zeitraum interessant sein werden und nicht so schnell von LED ersetzt werden können“, sagte Dolinski. „Und mit diesen Produkten wird das Geld verdient.“

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