Wirtschaft : Keine Quotenfrauen für die Telekom Obermann stellt neue Führungskräfte vor

Foto: dapd Foto: dapd
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Berlin - Der Start könnte schwieriger nicht sein. Am Dienstag präsentierte Telekom-Chef René Obermann in Berlin die zwei Frauen, die künftig in seinem Vorstand arbeiten sollen: die McKinsey-Beraterin Claudia Nemat (42), die ab Oktober das Europa-Geschäft verantworten wird, und Marion Schick (52), ehemalige Kultusministerin von Baden-Württemberg, die im kommenden Jahr das Personalressort übernimmt. Beide erklärten, sie betrachteten sich nicht als Quotenfrauen. „Quotenfrau ist vielleicht ein Begriff von gestern“, sagte Schick. Sie fühle sich eher als Pionierfrau.

Am Montag war es bei der Berufung Schicks im Aufsichtsrat zu einem Eklat gekommen. Die Arbeitnehmervertreter hatten die Sitzung verlassen. Ihr Vorwurf: Sie seien im Auswahlprozess dieser für sie so wichtigen Personalentscheidung nicht gefragt worden. „Man kann eine Kultur der Verständigung oder eine des Überfahrens wählen“, sagte Verdi-Vorstand Lothar Schröder dem Tagesspiegel. „Man hat sich für das Überfahren entschieden.“ Schick erklärte in Berlin, sie werde daran arbeiten, das Vertrauen der Arbeitnehmervertreter zu gewinnen.

Auch wenn ihre Wahl problemlos verlief, so hat die Diplom-Physikerin Nemat dennoch „sehr großen Respekt“ vor der Herausforderung, die sie annimmt. Das Ressort Europa ist ein Geschäftsbereich, der nach dem Verkauf der US-Tochter T-Mobile zu den größten Sorgenkindern von Telekom-Chef Obermann gehört. Dazu zählt unter anderem die griechische Konzerntochter OTE, die unter der Schuldenkrise des Landes leidet. Nemat wird künftig ein Drittel des gesamten Konzernumsatzes von gut 62 Milliarden Euro verantworten. Der bisherige Europachef Guido Kerkhoff wechselte im April als Finanzchef zu Thyssen-Krupp.

Keine Entscheidung traf der Aufsichtsrat über die Besetzung des Vorstands für Recht und Datenschutz. Obermann wollte offenbar die SPD-Politikerin Brigitte Zypries gewinnen. Doch die FDP brachte mit der Staatssekretärin im Bundesjustizministerium Birgit Grundmann eine eigene Kandidatin ins Spiel. Der Bund redet im Aufsichtsrat mit, er hält noch 32 Prozent der Telekom-Anteile. Die Telekom hatte sich im Frühjahr 2010 verpflichtet, 30 Prozent der Führungsposten mit Frauen zu besetzen. vis

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