Wirtschaft : Keine Schranken für Hedgefonds Deutschland kann sich nicht durchsetzen

Moritz Döbler

Berlin - Die G-8-Staaten werden bei ihrem Gipfeltreffen in der kommenden Woche keinerlei Kontrollen für Hedgefonds beschließen und können sich nicht einmal auf einen freiwilligen Verhaltenskodex einigen. Das sagte der G-8-Beauftragte von Bundeskanzlerin Angela Merkel, Bernd Pfaffenbach dem Tagesspiegel. „Wir sind dabei noch nicht sehr weit gekommen, das will ich einräumen. Aber ein freiwilliger Code of Conduct bleibt eine gute Idee.“ Ursprünglich hatte Deutschland sogar an bindende Transparenzrichtlinien gedacht. Das Thema hatte auch schon Merkels Vorgänger Gerhard Schröder beim G-8-Gipfel vor zwei Jahren ohne viel Resonanz vorgetragen.

Kurz vor dem Treffen der acht Staats- und Regierungschefs in Heiligendamm sagte Pfaffenbach, es sei als Fortschritt zu werten, dass es inzwischen auch in den USA und Großbritannien Gesprächsbereitschaft gebe. „Letztlich geht es uns allen darum, systemische Risiken im Finanzsystem zu vermeiden. Wenn Sie das weltweite Volumen der Hedgefonds von 1,4 Billionen Dollar sehen, sind solche systemischen Risiken durchaus gegeben. Denn die Hebelwirkung ist ja durch Kredite vier- bis fünfmal so stark.“ Die US- Börsenaufsicht SEC unterstrich, dass sie politischen Druck für einen Verhaltenskodex ablehnt. „Ich rechne auf Dauer mit freiwilligen Regeln, denen sich die meisten Spieler in der Hedgefonds-Branche unterwerfen“, sagte SEC-Kommissar Paul Atkins dem „Handelsblatt“.

Pfaffenbach sagte, zwar befinde sich die Weltwirtschaft nicht in der Krise, trotzdem werde das Treffen, das früher als Weltwirtschaftsgipfel firmierte, sich auch mit wirtschaftlichen Risiken beschäftigen, etwa beim Thema Investitionsfreiheit. „Es kann nicht sein, dass Investitionen von Ausländern schlechter behandelt werden als die von Inländern.“ Da dürften auch nicht nationale Sicherheitsinteressen ins Feld geführt werden.

Aus Pfaffenbachs Sicht war der Aufwand, der zur Vorbereitung und Sicherung in Heiligendamm getrieben wird, unvermeidlich. „Der heutige Aufwand liegt am wenigsten an uns Deutschen. Überall, wo wir hinkommen, sind wir die kleinste Delegation. Wir fliegen mit einer relativ kleinen Maschine ein, und andere stehen schon mit zwei Jumbos dort.“ Künftige G-8-Gastgeber könnten vielleicht mehr erreichen als Deutschland. Nächstes Jahr ist Japan dran, danach folgt Italien. Moritz Döbler

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