Wirtschaft : Keine Warnstreiks im Schlussverkauf zu erwarten

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Berlin(msh/dpa). Kurz vor Beginn des Sommerschlussverkaufs haben sich die Tarifparteien im Einzelhandel auf einen ersten Abschluss geeinigt. Die rund 220 000 Beschäftigten in Baden-Württemberg erhalten ab August 3,1 Prozent mehr Lohn und Gehalt, teilten die Gewerkschaft Verdi und die Arbeitgeber mit. Der Vertrag habe eine Laufzeit von zwölf Monaten. Für die Monate April bis Juli gebe es eine Einmalzahlung von 180 Euro. „Es ist ein Ergebnis, an dem sich die anderen orientieren werden“, sagte Verdi-Sprecher Bernhard Franke nach den sieben Stunden dauernden Verhandlungen. Die Arbeitgeber waren indes skeptisch. „Die Anhebung der Gehälter wird wegen der schwierigen Lage der Branche eine schwere Belastung für viele Einzelhändler“, sagte Anton Wirmer, Verhandler der Bundesarbeitsgemeinschaft der Mittel- und Großbetriebe des Einzelhandels (BAG), dem Tagesspiegel.

Verdi hatte 6,5 Prozent mehr Geld gefordert. Der Einzelhandelsverband hatte zuletzt drei Prozent nach einer dreimonatigen Nullrunde geboten. Als Erfolg bezeichneten die Arbeitgeber den Abschluss auch deshalb, weil die von Verdi angekündigten Streiks für den am Montag beginnenden Sommerschlussverkauf abgewendet werden konnten. Bundesweit gehen die Tarifverhandlungen in der Einzelhandelsbranche an diesem Samstag im Saarland weiter. Am Montag folge Hamburg, am Dienstag dann Rheinland-Pfalz, hieß es.

Mit starken Preisabschlägen will die Branche im Sommerschlussverkauf ab Montag indessen die lange Kaufzurückhaltung nach der Euro-Einführung stoppen. Rabatte bis zu 80 Prozent für die Sommermode kündigte der Hauptverband des Deutschen Einzelhandels (HDE) am Freitag in Berlin an. Größtenteils sollen die Preisnachlässe ab Montag wegen der gut gefüllten Lager mit 50 bis 60 Prozent noch höher als im vergangenen Jahr liegen. Der Handelsverband BAG erwartet ein „Preis-Feuerwerk in seltenem Ausmaß“.

Seit der Währungsumstellung klagen die Händler über drastische Umsatzeinbrüche. „Die Menschen sind verunsichert und behalten ihr Geld“, sagte der Hauptgeschäftsführer des Handelsverbandes Sachsen, Eberhard Lukas. „Wegen des schlechten Wetters und der seit Jahresbeginn anhaltenden Konsumflaute sind die Sommerlager brechend voll“, sagte HDE-Sprecher Hubertus Pellengahr. Um Platz für die Herbst- und Winterkollektionen zu schaffen, lockten viele Kaufhäuser die Kunden schon vor dem offiziellen Start des zweiwöchigen Schlussverkaufs mit niedrigen Preisen. „Wir versuchen, das Jagdfieber mit Schnäppchen zu wecken“, sagte die Sprecherin des größten deutschen Kaufhauses, dem Kaufhaus des Westens in Berlin. Das Wetter scheint nach den verregneten Wochen mitzuspielen. Ab dem Wochenende haben die Meteorologen die Rückkehr des Sommers angekündigt.

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