Wirtschaft : Keine Waschmaschinen – aberJobs könnten bleiben Hoffnung für Mitarbeiter im Bosch-Siemens-Werk

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Berlin – Die Arbeitnehmervertreter des Berliner Waschmaschinenwerks von BoschSiemens-Hausgeräte (BSH) sehen sich bei den Verhandlungen über die Zukunft der 1100 Beschäftigten auf gutem Weg. Die Entscheidung der BSH, eine neue Waschmaschinenreihe nicht in Berlin-Spandau, sondern im brandenburgischen Nauen zu bauen und die Produktion in Berlin zu schließen, stehe zwar fest. „Aber die Verhandlungen sind noch nicht gescheitert“, sagte der Betriebsratschef des Spandauer Werkes, Güngör Demirci, dem Tagesspiegel am Freitag. „Wir verhandeln weiter, um so viele Arbeitsplätze wie möglich zu erhalten.“ Dabei seien wichtige Teilerfolge erzielt worden.

BSH-Sprecherin Eva Delabre bestätigte dem Tagesspiegel, dass die Beratungen noch weitergeführt würden. „Es ist noch nichts Endgültiges entschieden“, sagte sie. Die „Halbinformationen“ des Betriebsrats sorgten bei der Belegschaft unnötig für Unruhe und Verwirrung. Es gehe in den Beratungen des Wirtschaftsausschusses um verschiedene Modelle, wie Arbeitsplätze gesichert werden könnten. Die Sprecherin rechnet damit, dass die Gespräche, die seit Anfang Mai laufen, bis Ende August abgeschlossen sein werden.

Die BSH hatte im Mai angekündigt, bis Ende 2006 ihre Waschmaschinenproduktion in Deutschland neu zu strukturieren. Grund seien der aggressive Wettbewerb und ein schrumpfender Markt bei Waschmaschinen der oberen Preisklasse, der zu einem dramatischen Preisverfall geführt habe. BSH beabsichtige daher, die Produktion von Waschmaschinen in Deutschland künftig in dem 1994 erbauten Standort Nauen zu konzentrieren. Das Entwicklungszentrum für Wäschepflege sowie Servicebereiche mit derzeit knapp 400 Mitarbeitern sollen in Spandau erhalten bleiben. Die dortige Produktion soll bis Ende 2006 auslaufen.

Es gebe jedoch die Option, die Produktion noch bis Mitte oder Ende 2007 in Berlin zu erhalten, sagte jetzt Betriebsratschef Demirci. Als weitere Teilerfolge in den Verhandlungen nannte er: Es könnten möglicherweise statt der bisher genannten 400 Arbeitsplätze etwa 115 bis 120 zusätzliche Stellen in Berlin im Bereich Entwicklung und Service erhalten bleiben. Zudem gebe es Signale der Unternehmensleitung, die Arbeitnehmer zu unterstützen, Teile der Produktion in eine eigene Firma auszugründen. So könnten weitere 180 bis 250 Arbeitsplätze erhalten werden. Für rund 170 Beschäftigte wiederum könnte eine Vorruhestandsregelung getroffen werden. Schließlich werde über die Einrichtung einer Beschäftigungsgesellschaft für rund 200 Mitarbeiter verhandelt, sagte der Betriebsratschef. „Wir sind auf dem richtigen Weg“, sagte Demirci weiter. „Sollten wir uns auf diese Regelungen einigen, wäre das einmalig in Deutschland.“ Komme keine Einigung zustande, fügte er hinzu, „dann wird die IG Metall zum Arbeitskampf aufrufen“. vis/nic

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