Wirtschaft : „Keinen Schritt zurück – das gilt auch für Manager“

Der frühere baden-württembergische Arbeitgeberchef Dürr antwortet Ex-IG-Metall-Chef Steinkühler

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Franz Steinkühler gibt den unbeugsamen Streiter für den Erhalt aller alten Besitzstände. Aus vielen Tarifkämpfen kenne ich ihn und wundere mich doch sehr, wie weit er heute vom praktischen Leben weg ist. Akkordarbeit vor 30 Jahren, auch bei Daimler, war Knochenarbeit. Humanisierung der Arbeit mit all ihren technologischen Verbesserungen war damals am Anfang, heute ist sie weitgehend State of the art. Steinkühler sollte sich nur mal eine von Dürr gebaute Lackiererei anschauen. Die ist mit den wirklich nicht angenehmen Umständen von damals nicht zu vergleichen.

In den 70ern waren wir Deutschen weltweit die industriellen Angreifer. Heute sind es andere. Und die wollen unseren Wohlstand. Dafür legen sie sich krumm und arbeiten auch mehr als 40 Stunden. Sollte Steinkühler wirklich noch nichts vom globalen Wettbewerb gehört haben? Seine früheren Kollegen wissen da viel besser, um was es geht. Und auch, dass es nicht nur um die Arbeit in der Fabrik geht, sondern um die Produkte. Wenn wir zu teuer in der Fabrik sind, sagen sie, verlieren auch die Entwickler, Verkäufer, Kaufleute, Ingenieure ihren Arbeitsplatz.

Die Herren Arbeitgeber, wie sie Steinkühler nennt, wissen sehr wohl, was sie tun. Die überwältigende Mehrheit will ihr Unternehmen sichern, auf die Zukunft ausrichten. Dabei kann es nur nach vorn gehen, wenn man sich den heutigen Anforderungen im Wettbewerb stellt. Dazu gehört auch eine neue Bescheidenheit in den Vorstandsetagen. Insofern hat Steinkühler ungewollt Recht, wenn er sagt „Keinen Schritt zurück“.

Wortgetöse hilft nicht weiter. Die handelnden Personen müssen sich zusammensetzen, Lösungen suchen und entscheiden. Mit Franz Steinkühler habe ich einmal einen ziemlich schwierigen Manteltarifvertrag verhandelt. Wir haben uns damals darauf geeinigt, dass nicht jede Seite zuerst ihre Forderungen aufstellt und dann der übliche Kuhhandel beginnt. Sondern, dass wir uns zusammen- setzen und eine Lösung suchen zum Wohle der Arbeitnehmer und der Betriebe. Das ist damals gelungen. Warum also heute so auf die Pauke hauen?

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