Wirtschaft : Ken und Barbie heiraten

Was sich sonst noch tut auf dem Spielwarenmarkt, zeigt die Messe Nürnberg

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Berlin / Nürnberg - Jetzt wird es amtlich: Barbie heiratet noch in diesem Jahr ihren Dauerfreund Ken. Daher gibt es die Puppe nun im langen weißen Hochzeitskleid, Ken kann dann am Altar im Smoking mit rosa Fliege auf sie warten. Auch eine Hochzeitstorte hat der weltweit größte Spielwarenkonzern Mattel im Angebot.

2,3 Milliarden Euro geben die Deutschen pro Jahr für traditionelles Spielzeug aus. Auf der Internationalen Spielwarenmesse in Nürnberg, die am Donnerstag ihre Pforten für die Fachwelt geöffnet hat, werden laut Branchenexperten etwa 60 000 Neuheiten vorgestellt. Allein diese Innovationen bringen Schätzungen zufolge rund die Hälfte des Jahresumsatzes der Spielwarenindustrie ein.

Mädchen spielen aber längst nicht mehr nur mit typischem Spielzeug wie Barbie-Puppen, sondern auch immer häufiger mit Playmobil. „Früher waren wir eine reine Jungenmarke, heute beträgt der Mädchenanteil bereits 35 Prozent“, berichtete Geschäftsführerin Andrea Schauer am Mittwochabend in Zirndorf bei Nürnberg. Nicht zuletzt dank dieser Entwicklung wuchs der Umsatz der Marke Playmobil im vergangenen Jahr erneut um fünf Prozent auf den Rekordstand von 379 Millionen Euro.

Der Anteil am Markt der traditionellen Spielwaren in Deutschland sei von 8,4 Prozent auf 9,3 Prozent gestiegen, sagte Schauer. Dieser Anstieg sei umso höher zu bewerten, als er mit einer Produktlinie erzielt wurde. Auch für 2007 zeigte sich die Geschäftsführerin optimistisch. Man erwarte mit Neuheiten wie Feenwelt, Zirkus und Piratenschiff erneut ein Umsatzwachstum im mittleren einstelligen Bereich. Verbesserungsfähig sei noch die Profitabilität des Unternehmens.

Schauer hob hervor, dass Playmobil mit der Produktion – im Gegensatz zu zahlreichen Konkurrenten – auch künftig nicht nach China gehen werde. „Wir setzen auf Fertigung in Deutschland und Europa“, unterstrich sie. Playmobil-Alleininhaber Horst Brandstätter sagte, der Standort Deutschland habe trotz höherer Kosten Vorteile. „Wir sehen die Qualität bereits im Fertigungsprozess, nicht erst beim Empfang der Ware.“ Die Zahl der Beschäftigten stieg im Jahresdurchschnitt auf 2721 (Vorjahr: 2591), davon 1505 (1439) in Deutschland. Playmobil produziert in Nordbayern, auf Malta und in Tschechien. Der Auslandsanteil am Umsatz betrug 60 (Vorjahr: 59) Prozent.

Besonders gut lief das Geschäft mit den Playmobil-Spielwelten in Frankreich. Auch auf dem schwierigen US-Markt sei man gewachsen, sagte Schauer. „Der anhaltende Erfolg ermutigt uns, jetzt auch in Richtung neuer Märkte in Osteuropa und Asien zu schauen.“

Konkurrent Lego konnte ebenfalls im vergangenen Jahr in Deutschland deutlich zulegen. Die Umsätze von Lego Zentraleuropa (einschließlich Österreich und der Schweiz) seien um sieben Prozent auf 221 Millionen Euro gestiegen, teilte Geschäftsführer Dirk Engehausen mit. Der Marktanteil habe sich von 11,7 auf 11,9 Prozent erhöht. „Wir sind ausgesprochen zufrieden“, sagte Engehausen. 2007 wolle man die Umsätze stabilisieren. Entscheidend für die Branche sei, dass man das gesamte Jahr über für den Handel interessant bleibe, nicht nur im Weihnachtsgeschäft. Im Kampf um die Gunst der Kinder machten Fernsehen, Multimedia sowie organisierte Freizeitaktivitäten den Spielwarenherstellern zu schaffen. „Die verfügbare Zeit ist das knappste Gut der Kinder“, sagte Engehausen.

Die Vorschulmarke Duplo sei mit einem Zuwachs von gut elf Prozent erfolgreich wiederbelebt worden, sagte der Geschäftsführer. Stärkstes Segment sei die Reihe Lego City, die ein Fünftel zum Gesamtumsatz beitrage. Sie verzeichnete ebenso ein Absatzplus von knapp 30 Prozent wie Lego Technic. Im Gesamtunternehmen gehe die Verlagerung der Produktion aus Dänemark und der Schweiz nach Tschechien und Ungarn weiter. Damit reagiert das dänische Unternehmen auf Verluste in den vergangenen Jahren.

Auf der Fachmesse für Spielwaren haben Händler und Einkäufer noch bis 6. Februar die Qual der Wahl: Rund eine Million Produkte aus der Welt des Spielzeugs werden von knapp 2800 Ausstellern aus 60 Nationen präsentiert. Messechef Ernst Kick rechnet mit 79 000 Besuchern aus 100 Nationen. jul/dpa

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