Kennzeichnung beschlossen : Wirte halten neue Hygieneampel für unfair

Künftig sollen Verbraucher bereits vor Betreten eines Restaurants erkennen können, ob es sich lohnt einzutreten: mit einer Hygieneampel. Die Gastwirte fühlen sich diskriminiert - und zeigen mit dem Finger auf andere Branchen.

Rot, gelb oder grün - so sollen Verbraucher leicht erkennen können, ob sie in einem sauberen Restaurant speisen.
Rot, gelb oder grün - so sollen Verbraucher leicht erkennen können, ob sie in einem sauberen Restaurant speisen.Foto: dapd

Die Bundesländer haben sich auf die Einführung einer "Restaurantampel" geeinigt, die Verbraucher über die Sauberkeit von Restaurants und Gaststätten informieren soll.

Die Verbraucherschutzminister beschlossen auf ihrer Konferenz in Bremen am Donnerstag die Einführung eines bundesweiten Transparenzsystems für Lebensmittelkontrollen, wie das nordrhein-westfälische Verbraucherschutzministerium mitteilte. Sie forderten die Bundesregierung auf, eine entsprechende Gesetzesgrundlage zu schaffen.

Die Ampel soll an der Eingangstür von Gaststätten und Restaurants über das Ergebnis der Lebensmittelkontrollen informieren. Grün bedeutet, dass die Anforderungen erfüllt sind oder nur geringfügige Hygiene-Mängel festgestellt wurden. Eine gelbe Bewertung besagt, dass ein Betrieb die Anforderungen teilweise erfüllt. Bei einer roten Ampel ist Vorsicht geboten: Sie wird bei unzureichender Sauberkeit vergeben. Die Ampel soll dabei das Ergebnis der aktuellen und der drei zurückliegenden Kontrollen zeigen.

Meilenstein oder Murks?

Die Einführung der Restaurantampel sei ein „Meilenstein für den Verbraucherschutz“, sagte der nordrhein-westfälische Ressortchef Johannes Remmel. „Die bisherige Vorgehensweise, Kontrollergebnisse nicht zu veröffentlichen und den Bürgern zu verheimlichen, kam einer Entmündigung gleich.“ Künftig stehe der Verbraucher „auf Augenhöhe mit den Gastronomen“.

Gastwirte befürchten, dass das System am Ende nicht für mehr Transparenz sorgt, sondern diese den Gästen nur vorgaukelt. Dafür sprechen auch die Zahlen. Bundesweit gibt es zurzeit 2500 Lebensmittelkontrolleure und damit 1200 zu wenig, wie der Vorsitzende des Bundesverbandes, Martin Müller, erläutert. „Nicht jeder Betrieb kann zur rechten Zeit kontrolliert werden.“ Dadurch könnte die „Ampel“ das Bild verzerren, fürchtet er.

Deshalb müssten Länder und Kommunen dringend mehr Personal für diese Aufgabe einstellen. Denn generell befürwortet Müller die bunte Farbskala. „Wir hoffen, dass dadurch ein Wettbewerb in der Hygiene entsteht.“

Was ist mit Bäckern und Metzgern?

Beim Hotel- und Gaststättenverband kommt die Idee der Minister dagegen gar nicht gut an. Nicht, weil man schwarze Schafe decken wolle, versichert Sprecherin Stefanie Heckel. „Wir sehen vor allem das Problem der Wettbewerbsverzerrung.“ Auch Bäcker und Fleischer würden inzwischen Salate und teilweise sogar warme Gerichte anbieten. Die „Hygiene-Ampel“ müssten sie aber erst später als die Gaststätten einführen.

Ob das Kontrollbarometer überhaupt etwas bringt, bezweifelt der Verband. Schließlich gebe es schon festgelegte Hygienestandards. Doch Verstöße würden wegen der fehlenden Kontrolleure nicht immer auffliegen, geschweige denn geahndet werden. (AFP/dpa)

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