Wirtschaft : Kerkorian plant Chrysler-Comeback Zweiter Anlauf

US-Milliardär und Ex-Aktionär bietet 4,5 Milliarden Dollar für die marode US-Sparte des Daimler-Konzerns

Henrik Mortsiefer

New York/Berlin - Die New Yorker Börse reagierte mit einem Kurssprung der Daimler-Chrysler-Aktie: Als in der Nacht zum Karfreitag bekannt wurde, dass die Investmentfirma Tracinda des US-Milliardärs Kirk Kerkorian Chrysler kaufen will, jubelte die Wall Street. Die Aktie sprang um 4,6 Prozent nach oben. Daimler- Chryslers Börsenwert stieg binnen Minuten um 2,9 Milliarden Euro auf rund 66 Milliarden Euro.

Nur einen Bruchteil davon, umgerechnet 3,4 Milliarden Euro (4,5 Milliarden Dollar), will der ehemalige Chrysler-Aktionär Kerkorian für die verlustbringende US-Tochter des Autokonzerns bieten – in bar. Zum zweiten Mal seit 1995 versucht er damit, Chrysler komplett zu übernehmen. In einer von Tracinda veröffentlichten Erklärung hieß es, die Investmentfirma wolle den angeschlagenen Autohersteller erneuern und stärken. Dem Chrysler- Management in Auburn Hills, Michigan, und der Automobilarbeitergewerkschaft UAW wird angeboten, sich als Partner an der Transaktion zu beteiligen.

Ein Daimler-Chrysler-Sprecher bestätigte in New York lediglich, „dass wir in Gesprächen mit potenziellen Partnern sind“. Es seien „alle Optionen offen“. „Zu Tracinda können wir keine Stellung nehmen“, betonte er. Damit griff er die Wortwahl von Daimler-Chrysler-Konzernchef Dieter Zetsche auf, der schon am Mittwoch auf der Hauptversammlung in Berlin erstmals Gespräche mit Chrysler- Interessenten bestätigt hatte, ohne Details zu nennen. Dies hatte bei Aktionären und an der Börse für Enttäuschung gesorgt. Kerkorians Offerte ist das erste öffentlich bekannte Angebot für Chrysler. Insidern zufolge haben auch der kanadische Zulieferer Magna sowie die Finanzinvestoren Blackstone und Cerberus Übernahmeangebote unterbreitet. Die Magna-Offerte soll bei 4,7 Milliarden Dollar liegen. Andere Schätzungen gehen von einem möglichen Kaufpreis von bis zu neun Milliarden Dollar aus.

Kerkorians Angebot ist im Urteil von Fachleuten durchaus ernst zu nehmen. Er macht es allerdings davon abhängig, dass seine Investmentfirma Tracinda exklusiv mit Daimler-Chrysler verhandeln kann und die Gewerkschaft UAW zu einem Deal bereit ist. Danach sollen die Chrysler-Mitarbeiter und das Management über Belegschaftsaktien am neuen Unternehmen beteiligt werden. Im Gegenzug soll die Gewerkschaft bei den im Sommer anstehenden Tarifverhandlungen zu Konzessionen bei Löhnen und Nebenleistungen bereit sein. Kerkorian fordert zudem eine „gerechte Vereinbarung mit Chrysler über die Teilung der nicht finanzierten Pensionsverpflichtungen und der Krankenversicherungskosten der Chrysler-Rentner“. Die Altlasten werden von Fachleuten auf 18 Milliarden Dollar geschätzt. Grundlegende Verhandlungen zwischen Kerkorians langjährigem Finanzberater Jerome York und UAW-Spitzenfunktionären hätten bereits stattgefunden, hieß es. 100 Millionen Dollar ist Kerkorian bereit, bei einem Treuhänder zu hinterlegen. 25 Millionen Dollar sollen an Daimler-Chrysler gehen, falls keine Transaktion zustande kommt. Es sei das Beste, wenn Chrysler als privates Unternehmen geführt werde und nicht an der Börse notiert sei, heißt es in dem Schreiben von Tracinda. Eine Sanierung des Autobauers, der 2006 einen operativen Verlust von 1,1 Milliarden Euro gemacht hatte, sei nicht innerhalb kurzer Zeit möglich. Im Februar hatte Chrysler den Abbau von 13 000 Arbeitsplätzen in den USA und Kanada bis zum Jahr 2009 angekündigt. Um Chrysler wieder wettbewerbsfähig zu machen, seien fünf bis sieben Jahre nötig, glaubt Kerkorian. So müsse die Produktpalette vollständig erneuert und um „grüne“ Angebote erweitert werden. Verbesserungen seien zudem bei der Qualität nötig, um Kunden zurückzugewinnen. mit pf

1990

Kerkorian kauft einen Anteil von 9,8 Prozent an Chrysler, den er später auf 14,1 Prozent erhöht.

1995

Zusammen mit Ex-Chrysler-Chef Lee Iacocca versucht Kerkorian, Chrysler für 20 Milliarden Dollar zu übernehmen. Der Deal scheitert an der Finanzierung.

1996

Kerkorian verzichtet für fünf Jahre auf Übernahmeversuche, setzt aber Aktienrückkäufe durch, die den Kurs treiben.

1998

Der Investor profitiert vom Kurssprung, als Chrysler mit Daimler-Benz fusioniert. Als größter Einzelaktionär stimmt Kerkorian für die „Fusion unter Gleichen“.

2000

Kerkorian reicht Klage gegen Daimler- Chrysler ein und fordert Schadenersatz von 20 Milliarden Dollar. Der Grund: Daimler habe Chrysler unter Wert erworben. Die Klage scheitert.

2007

Kerkorian bietet 4,5 Milliarden Dollar für Chrysler. mot

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