Wirtschaft : Kernprodukte wie Schuhe und Skier sollen wieder im Mittelpunkt stehen

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Der designierte Vorstandschef der Herzogenauracher Adidas-Salomon AG, Herbert Hainer, will den Sportartikler zurück zu seinen Wurzeln führen. Traditionelle Produkte wie Sportschuhe (Marke Adidas) oder Skier (Marke Salomon) sollen künftig wieder verstärkt im Zentrum stehen, kündigte der Niederbayer bei der Bilanzvorlage in Herzogenaurach an. Zugleich würden bis Mitte 2000 ein Fünftel aller Produkte aussortiert. Das und eine Verschlankung der Organisation, die beim Teilkonzern Salomon 300 Stellen koste, soll ab 2001 jährlich gut 100 Millionen Mark sparen. Weitere Impulse erhofft sich Hainer, der 2001 den Vorstandsvorsitz von Robert Louis-Dreyfus übernehmen wird, vom Internet. Mitte März starte auch in Europa der Online-Verkauf, den die Franken direkt und über Fachhändler betreiben wollen. Wegen der eigenen Verkaufspläne gebe es "kein böses Blut" im Handel, betonte Hainer.

Für eine Rückkehr in die Erfolgsspur seien auch eine bessere Logistik, die Halbierung der Entwicklungszeiten und vor allem Produktinnovationen erforderlich. Gerade im weltgrößten Sportartikelmarkt USA seien bessere Produkte und attraktiveres Design "ein Muss". Die regional größten Chancen sieht Hainer in Japan, wo die Konzernumsätze schon 1999 um 70 Prozent zulegten.

Im laufenden Jahr sorgen die Umbaupläne erst einmal für Kosten von 75 Millionen Mark. Das werde den 1999 erreichten Rekordwert von 445 Millionen Mark Jahresüberschuss im Konzern um rund ein Fünftel abbröckeln lassen, räumte das Management ein. Ab 2001 seien bis 2003 Gewinnsteigerungen von je 15 Prozent zu erwarten. Insgesamt will Adidas-Salomon dieses Jahr 300 Millionen Mark investieren, unter anderem in eigene Einzelhandelsgeschäfte in den USA sowie eine Umstrukturierung von Werken der Tochter-Firmen Salomon und Mavic. Gerade das wichtige US-Geschäft läuft für die Hauptmarke Adidas derzeit unerfreulich. Dort dürften die Umsätze 2000 um ein Zehntel schrumpfen.

Beim Hauptprodukt Sportschuhe konnten die Franken 1999 immerhin ihren US-Marktanteil von zwölf bis 13 Prozent halten. Wegen Zuwächsen in Europa und vor allem in Asien dürfte der Jahresumsatz mit Adidas-Produkten in diesem Jahr insgesamt "marginal" über dem Vorjahresniveau liegen. Die Sorgenkinder Salomon und Taylor Made befinden sich auf dem Weg der Besserung und erwarten kräftige Verbesserung. 1999 wuchsen die Konzernumsätze über alle Marken und Regionen um sechs Prozent auf den neuen Höchstwert von 10,5 Milliarden Mark. Dabei wurden Sportschuhe mit 4,3 Milliarden Mark Umsatz (plus 8,5 Prozent) wieder zur bedeutendsten Produktgruppe knapp vor Textilien. Die zuletzt mit Trendmode konkurrierende Bekleidung mit den drei Streifen wird derzeit vor allem in den USA in der Käufergunst von reinen Modemarken überflügelt. Die Zahl der Mitarbeiter wuchs 1999 um 772 Personen auf weltweit 12 433. Wegen des Rekordgewinns soll die Dividende von 1,65 auf 1,80 DM je Aktie steigen. Die zuletzt stark verfallene Aktie der Franken sieht Hainer derzeit "nicht fair bewertet".

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